Der weltweite Preisauftrieb macht vor den ehrwürdigsten Einrichtungen nicht halt. Jetzt wurden auch noch auf den Fahrpreis fürs Marzili-Bähnchen in Bern fünf Rappen aufgeschlagen. Man könnte wohl einwenden, fünf Rappen, weniger als fünf Pfennig, seien doch wohl der Rede nicht wert. Jedoch: Dieses mit Wasserschwerkraft betriebene Drahtseilbähnchen ist angeblich die kürzeste und vermutlich die teuerste öffentliche Bahn Europas. Ein mit ähnlichen negativen Superlativen aufwartendes Gegenstück in Bayern, das Chiemsee-Bähnchen, sticht sie jedenfalls mühelos aus.

Das Chiemsee-Bähnchen rollt auf einer rund zwei Kilometer langen Strecke vom Bahnhof in Prien zum Hafen. Das Verkehrsmittel, geliebt und belächelt, ist den Prienern und ihren Sommergästen in ähnlicher Weise ans Herz gewachsen wie allen reisenden Romantikern die Cable Cars in San Francisco. Die einfache Fahrt kostet eine Mark. Kilometerpreis 50 Pfennig.

Das Marzili-Bähnchen verbindet das Stadtzentrum Berns mit dem Marzili-Quartier. Die Fahrtstrecke überwindet eine Höhendifferenz von 33 Metern, ist aber nur 102 Meter lang. Wenn man nun, vom neuen Fahrpreis ausgehend (30 Rappen; etwa 25 Pfennig), einen Kilometertarif errechnet, kommt man auf rund 2,50 Mark. Dafür kann man am Chiemsee mindestens vier und mit der Bundesbahn (Preis der Fahrkarte von Hamburg nach München: 87 Mark) umgerechnet rund 25 Kilometer fahren. Wäre die Bundesbahn so teuer wie das Schweizer Mini-Bähnlein, würde die Bahnreise von Hamburg nach München 2050 Mark kosten.

Das Bähnchen am Chiemsee übrigens trotzt dem weltweiten Preisauftrieb einstweilen noch. Es bleibt bei einer Mark, hin und zurück 1,70 Mark, Kinder die Hälfte. W. B.