Für den Fall, daß die Menschheit hartnäckig fortfahren sollte, die Erde zu Übervölkern, haben Biologen schon vor Jahren eine Ernährung auf der Grundlage von Algen angedroht. Wenn aber der Eiweißhunger der Welt mit Algeneiweiß gestillt würde, dann käme es, wie Forscher des Gießener Instituts für Ernährungswissenschaften erkannt haben, zu einer durchaus unerwünschten Lösung des Übervölkerungsproblems. Die Algensuppe ist nämlich toxisch versalzen.

Seit zwanzig Jahren arbeiten Wissenschaftler in verschiedenen Ländern an der Massenkultur von Mikroalgen. Denn diese meist einzelligen Lebewesen nutzen das Sonnenlicht am besten aus und liefern die höchsten Flächenerträge an Protein. In der Bundesrepublik beschäftigt sich die „Kohlenstoffbiologische Forschungsstation“ in Dortmund mit der Zucht der Grünalge Scenedesmus obliquus.

Proben dieser Alge, die bis zu 50 Prozent aus Rohprotein besteht, wurden jetzt in Gießen untersucht. Dabei entdeckten die Forscher neben zwei krebserregenden Stoffen (Benzpyren und Benzfluoranthen) bedenkliche Gehalte an Blei, Quecksilber und Arsen. Denn die Algen nehmen grad so wie andere Mikroorganismen auch aus ihrem Nährmedium Umweltchemikalien auf, reichern sie an und speichern sie. Im großtechnischen Verfahren der Algenpulver-Produktion läßt sich nach dem Urteil der Gießener eine solche Verseuchung nicht begrenzen. „Die Konzentration dieser Umweltchemikalien“, so schreiben K.-H. Wagner und I. Siddiqi, „nähert sich bei einer Tagesaufnahme von 10 bis 20 Gramm Scenedesmus obliquus (das entspricht einem Eiweißangebot von 8 bis 16 Gramm) über einen längeren Zeitraum dem toxischen Bereich.“

Außerdem drohen Stoffwechselschäden. Das Roheiweiß von Scenedesmus enthält acht bis zwölf Prozent Nukleinsäuren, die im Körper zu Harnsäure abgebaut werden. Ein hoher Harnsäurespiegel im Blut aber begünstigt den Koronarinfarkt. Fazit: Eiweiß aus Algen taugt noch nicht einmal als Viehfutter. G. A. H.