Bis vor kurzem lagen die Aktien des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerkes (RWE) im Dornröschenschlaf. Der Kursanstieg deutscher Aktien war einige Monate lang an ihnen vorübergegangen. Das ist jetzt anders geworden: Zahlreiche Anleger haben RWE „entdeckt“ und durch Käufe den Kurs um einige Mark nach oben gebracht. Daß diese Bewegung zeitweise spekulative Züge bekam, ist Verdienst der „Frankfurter Börsenbriefe“. Sie teilten ihren staunenden Abonnenten mit, von Überlegungen gehört zu haben, wonach angeblich arabische Ölscheiche beabsichtigen, ein Paket RWE-Aktien zusammenzukaufen. In Klammern wurde der vermutliche Grund gesetzt: indirekter Einfluß auf Gelsenberg.

Nun stimmt es zwar, daß RWE knapp die Hälfte des Gelsenberg-Kapitals besitzt und daher natürlich auch einen gewissen Einfluß ausübt (Gelsenberg ist an der Aral AG beteiligt). Aber jeder halbwegs intelligente Börsianer weiß, daß man mit einem Paket RWE-Aktien in privater Hand weder einen Einfluß auf RWE noch auf die Gelsenberg-Geschäftspolitik ausüben kann.

Die bei RWE vorhandenen und im Besitz der Kommunen befindlichen Namensaktien (mit 20fachem Stimmrecht) sowie die ebenfalls im staatlichen Bereich liegenden RWE-Stammaktien sichern der öffentlichen Hand praktisch die Alleinherrschaft, auch wenn sich die Mehrheit des Aktienkapitals bei privaten Aktionären befindet. Da die sagenumwobenen Ölscheiche auch Handbücher lesen können, werden sie sich kaum über den Umweg von RWE-Aktien bemühen, an die Zapfsäulen von Aral zu kommen. Dieser Weg führt nämlich garantiert nicht ans Ziel. K. W.