Von Friedrich K. Kurylo

Die Empfänge und die Pressekonferenzen sind vorüber. Die Malteser-Helfer Monika Schwinn (30) und Bernhard Diehl (26) sind so schnell aus dem Rampenlicht der Publicity zurückgetreten, wie sie nach fast vier Jahren des Vergessenseins in vietnamesischer Dschungelgefangenschaft hineingekommen waren. Ihre Organisation jedoch, der Malteser-Hilfsdienst e. V. mit Sitz in Rodenkirchen bei Köln, wird nicht so schnell aus der Vietnam-Publicity entlassen werden. Er will vor Ort bleiben, die von ihm aufgebaute Gesundheitshilfe in der Provinz Quang-Nam weiterführen und sie allmählich in vietnamesische Hände übergeben. Aus der humanitären Hilfe der Kriegszeit soll Entwicklungshilfe werden.

Ist die Bilanz des siebenjährigen Einsatzes der Malteser-Hilfe in Vietnam positiv?

Vier Tote, zwei Vermißte, zwei jahrelang Gefangene, ein Verletzter, der zum Krüppel geschossen wurde und um dessen angemessene Versorgung noch gerungen wird. – Da ist das unklare Image aus dem Einsatz der Malteser-Helfer in Südvietnam, gegen das der Generalsekretär Georg von Truszczynski in Diskussionen seit Jahren anrennt: Helfen die Malteser auf der richtigen Seite? – Da ist das Geld: 52,5 Millionen Mark kosteten die sieben Jahre, von denen die Steuerzahler in der Bundesrepublik 51,4 Millionen Mark aufbrachten und mildtätige Spender 1,1 Millionen Mark.

War es richtig ausgegeben in einem Land, in dem der Krieg als Geschäft betrachtet wird? In dem die Malteser-Helfer, die sich selbst verpflegen mußten, 35 Mark für ein normales Mittagessen hinzublättern hatten und in dem der Vietcong unter Hinterlassung von Dankschreiben nachts die Krankenhausapotheke plünderte?

Die Malteser kennen solche Einreden. Und sie kennen die Belastungen aus dem Vietnameinsatz. Sie werden für sie durch die positive Seite der Bilanz wettgemacht.

Als die Malteser-Helfer vor sieben Jahren in die Provinz Quang-Nam kamen, gab es dort für 618 000 Einwohner ein einziges Hospital mit 275 Betten. Jede zweite Planstelle im Hospital war wegen Geldmangels unbesetzt. Viele Kranke blieben in der Provinz unversorgt. Heute gibt es dort zwei neue Hospitäler mit 290 Betten, außerdem vier moderne Ambulanzstationen in der Provinz und eine Augen- und Zahnstation.