Mario Szenessy: „Der Hut im Gras“. Als ich diesen im Geheimdienstmilieu spielenden Roman zu schreiben anfing, war von der „weichen Welle“ noch nichts zu hören; trotzdem gibt es im „Hut im Gras“ keine einzige Leiche (ausgenommen Theater-Tote), keine Schießereien, es sei denn, mit Platzpatronen, und auch keine Bettszenen mit heißen Puppen. Das soll freilich nicht heißen, daß ich sämtliche Klischees und die ganze Menagerie derartiger Romane ausgespart hätte; falsche Pässe, falsche Brillen und Zahnprothesen gibt es eine Menge, und auch die Verwandlungskunst spielt eine wichtige Rolle. Außerdem: wie in jedem guten und schlechten Krimi unserer Tage fliegen meine Helden ständig zwischen Moskau, Stockholm, Paris, London, Washington und New York hin und her, zu meinem Leidwesen nicht mit Jets, sondern mit einfachen Propellermaschinen; die Handlung spielt nämlich zwischen dem 3. und 12. Mai 1953, und selbst die Super-Constellations wurden erst einige Monate später im Liniendienst eingesetzt. Am Anfang des Buches sorgt ein „Historischer Hinweis“ dafür, daß der Leser mit den notwendigen Vorkenntnissen ausgestattet wird – seither sind immerhin zwanzig Jahre vergangen. Es versteht sich, daß man bei solchen Romanen den potentiellen Lesern keine heißen Spuren und sonstigen Tips auf die Nase bindet. (Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg; 292 S., 24,–DM.) Mario Szenessy