Köln

Erfunden wurde sie wohl nicht in Köln; aber hier wurde sie zum erstenmal einer breiten Öffentlichkeit bekannt: eine neue Spielart der Kapital Vermehrung für den, der Kapital hat. Sie heißt „Wärme-Vermietung“.

An der Inneren Kanalstraße in Köln hat die „Dr.-Rüger-Gruppe“ ein Bürohochhaus und zwei Wohnhochhäuser gebaut. In den mittleren Etagen zahlen die Mieter einen Quadratmeterpreis von rund zehn Mark, einschließlich Nebenkosten – jedoch ohne Heizkörper. Zwar hat jede Wohnung Heizkörper. Aber die kosten in der genannten Lage 3,50 Mark pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr einschließlich Wartung. Beheizungsgrundpreis nennt sich die Erfindung Nr. 1.

Erfindung Nr. 2: Per Mietvertrag muß sich der Mieter verpflichten, von einem „Wärme-Lieferanten“ Wärme zu beziehen – eben jene Wärme, ohne die Heizkörper sinnlos sind.

Erfindung Nr. 3: Der Vermieter verpachtet das wärmeerzeugende Aggregat an einen „Wärme-Lieferanten“, und der Pächter kassiert natürlich Pacht dafür.

Heizungspächter wurde die Firma MHM, die „Mineralöl-Handelsgesellschaft“. All das hatten die Zehn-Mark-pro-Quadratmeter-Mieter geschluckt. Es hat auch den Anschein, daß es ihnen nicht sonderlich schwerfiel.

Sie muckten auch nicht auf, als nach der ersten Heizperiode die Erfindung Nr. 4 auf sie zukam: Heizkostenberechnungen, denen als Berechnungsgrundlage „Gcal“ – sprich „Gga-Kalorien“ – zugrunde lagen. Darunter konnte sich kaum jemand etwas vorstellen.