Mit meinen Söhnen saß ich vor dem Bildschirm. Eine kleine Studiorunde, Erinnerungen an vergangene Höhepunkte sportlichen Geschehens wurden ausgetauscht, und interessiert lauschten die Buben, von denen der jüngste gerade zehn ist.

„Das ist der H. G. Winkler“, sagte einer von ihnen, „und die da – das ist die Mickler-Becker“. „Und wer ist die Oma dort?“ hieß es dann. Das Fernsehen blendet’s ein: Die „Oma“ ist Dr. Gisela Mauermayer. Der Vater kennt – wenn schon nicht ihr Gesicht, so doch den Namen und die sportlichen Meriten der ehrwürdigen Dame. „Das ist die Siegerin im Diskuswerfen von 1936“, klärt er die Zöglinge auf.

Bei der Frage nach einem flotten Diskussionsteilnehmer mittleren Alters, modischer Frisur, Wohlstandspölsterchen unter dem gutgeschnittenen Anzug, muß allerdings auch der Vater passen. Tja, wer ist denn das nur? Nach einer Weile des Rätselns fällt seine Name in der Diskussion: Ach, der Armin Hary! So sieht der jetzt aus!

Die Buben blicken erstaunt: „Du, wer ist denn das, der Armin Hary?“

Rom 1960, ich meine, es sei erst gestern gewesen, daß dieser Exzentriker der Aschenbahn sich im Lichte seiner Popularität sonnen konnte. Zwölf Jahre sind inzwischen vergangen, eine gar nicht lange Zeit für die Erinnerung, ein Äon aber angesichts des rasch verblassenden sportlichen Ruhms.

Da sitzt er nun, der (ehemals) schnelle Armin, rundlich gewordener weißer Blitz von damals, ein Mensch wie du und ich, zurückgetreten ins Glied der Normalverbraucher, – und muß sich die Frage der Jungen gefallen lassen: Wer ist denn das eigentlich?

Wie sagten doch die alten Lateiner: Sic transit gloria mundi – so zerrinnnt der Ruhm der Welt. Es scheint, als welke in der umweltverschmutzten Luft unserer Zeit sporlicher Lorbeer noch schneller als eh und je.