„Neckermann und Reisen“ will statt Buchungsrekorden lieber Gewinne machen

Deutschlands Verbraucher haben dazugelernt: In der Vergangenheit konnten die Reiseveranstalter bereits bei Frühjahrsbeginn die Sommersaison abrechnen. Nach Erscheinen der Urlaubsprospekte im November setzte der Run auf die Buchungsstellen ein, und Mitte März war in der Regel der Sommer verkauft. Inzwischen reagieren die Kunden der Reisebüros gelassener. Sie wissen, daß auch in der Hochsaison genug Hotelplätze zur Verfügung stehen.

Dennoch zeichnet sich bereits jetzt ein Wandel auf dem Markt der Urlaubsfreuden ab: Neckermann und Reisen (NUR) hat offensichtlich den Kampf um den Ehrentitel des Branchenführers aufgegeben, der Reisekoloß Touristik Union International (TUI) mit insgesamt sieben Unternehmen (Scharnow, Touropa, Dr. Tigges, Hummel, Transeuropa, airtours und twen tours international) baut seine Position weiter aus.

Aus Hannover hört man zur Lage auf dem Markt derzeit nur Positives: TUI-Sprecher Hans A. Birkhäuser: „Normale Entwicklung, durch wenig spektakuläre Einflüsse gekennzeichnet.“ Für einige Bereiche scheint dieses Understatement allerdings nicht zu gelten. So verzeichnet beispielsweise das Traditions,unternehmen Hummel „geradezu unanständige Zuwachsraten“.

Auch das jüngste Kind der TUI-Gruppe, Transeuropa, gemeinsam von Karstadt und der Quelle-Gruppe in den TUI-Verbund eingebracht, meldet „überdurchschnittliche Zuwachsraten“. In der Nürnberger Transeuropazentrale hatte man sich auf 300 000 Fluggäste für die gesamte Saison eingestellt, über zwei Drittel davon haben bereits fest gebucht. Jetzt werden zusätzliche Hotelbetten und Passagiersitze in Charterjets geordert.

Diesen positiven Zahlen hat die Frankfurter NUR nichts Entsprechendes hinzuzufügen: Günter Euler, NUR-Sprecher: „Der Rückgang der Gäste ist stärker als erwartet.“ In der Tat hatten die Frankfurter bereits bei der Vorstellung ihrer Sommerkataloge nur gedämpften Optimismus zur Schau gestellt. Offen gaben Neckermanns Reisemarschälle zu, daß der Sommer 1973 zur Konsolidierung des Unternehmens genutzt werden sollte. Freilich rechnete man zur Schlußabrechnung dennoch mit einem leichten Plus.

Doch bis jetzt sieht es so aus, als ob dieses Plus nicht erreicht wird: Bei NUR buchten im Vergleich zum Vorjahr sieben Prozent weniger Urlauber. Bislang wären die Neckermänner gewöhnt, ausschließlich mit Pluszahlen rechnen zu können. Innerhalb weniger Jahre nach dem Start hatte Neckermann und Reisen die gesamte traditionelle Konkurrenz überholt und führte bei Flugreisen die Branche an. Freilich nicht lange, denn zuerst schlossen sich die alteingesessenen Veranstalter Touropa und Scharnow zusammen, später folgten; Hummel-Reisen und Dr. Tigges-Fahrten. Nach dem Eintritt von Transeuropa in den TUI-Clan ist der erste Platz für TUI sicher.