Der moderne Mensch ist feig, aber er läßt sich gern zum Heroismus zwingen. Robert Musil

Kurzgeschichten-Kavalkade

Die saarländische Stadt Neheim-Hüsten und ihr Kulturdezernent Dr. Hartwig Kleinholz beweisen, daß kulturelle Aktivität nicht von der Größe der Stadt abhängen muß. Seit mehr als fünfzehn Jahren pflegt der 3000-Einwohner-Ort großzügige Kulturkontakte mit dem Ausland, vor allem mit den osteuropäischen Ländern. Zusammen mit den Städten Hamm, Iserlohn und Soest wurde jetzt zum drittenmal – jeweils im zweijährigen Abstand – unter dem Namen Quadrum das „Forum für zeitgenössische Kunst und Kultur“ organisiert – eine Reihe von Theater-Gastvorstellungen, Konzerten, Ausstellungen und Diskussionen. Am 27. März fängt in Neheim-Hüsten das 3. Internationale Kurzgeschichten-Kolloquium an, an dem 55 Schriftsteller und Kritiker aus zwanzig Ländern teilnehmen. Eine Jury, deren Mitglieder je ein Norweger, Engländer, Jugoslawe, Italiener und sieben Deutsche sind, wird je einen mit 3000 Mark dotierten Preis an die beste deutsche und die beste übersetzte Kurzgeschichte übergeben. Aus den zweihundert anonym eingereichten Geschichten kamen 16 ausländische und 30 deutsche Erzählungen in die engere Auswahl. Während des Kolloquiums werden die anwesenden Schriftsteller in Buchhandlungen, Schulen, Banken, Jugend- und Altersheimen und in Krankenhäusern lesen. Neben der internationalen Jury vergibt eine Schüler-Jury ihren – symbolischen – Preis; 300 Exemplare der ausgewählten Wettbewerb-Texte kursieren in der Stadt als Unterlage für das Publikums-Votum.

Lauritz Melchior

Erschrocken über das, wie er in New York zu merken glaubte, wachsende Desinteresse an den Opern Richard Wagners, hatte er 1965 eine Heldentenor-Stiftung gegründet. „Wo“, so hatte er damals gefragt, „sind heute die Heldentenöre? Wenn wir uns nicht bemühen, ein paar neue herauszubringen, werden sie wie exotische Vögel aussterben.“ Als es sie noch reichlich gab, war er jedenfalls einer ihrer originellsten: Lauritz Melchior. Am Sonntag ist er, zwei Tage vor seinem 83. Geburtstag, in Santa Monica in Kalifornien gestorben. Wie nur wenig andere hat er durch seinen Gesang, seine „herkulische Stimmkraft“, aber auch durch eine sein Gewicht nicht verleugnende Figur wesentlich zum Berufsbild eines wagnerschen Heldentenors beigetragen. In der Tat hatte seine Glanzzeit 1925 auch mit Wagner in Bayreuth begonnen. In seinem Testament hat er einen bis jetzt „ungenannten beträchtlichen Betrag“ für die „Lauritz Melchior Heldentenor Foundation“ eingesetzt.

Berliner Kunstpreise

Wie jedes Jahr wurde von der Berliner Akademie der Künste (bis 1949 vom Land Berlin) der „Kunstpreis Berlin“ verliehen, wie immer gab es Anerkennung, Geldpreise und Stipendien.. Die Preise gingen im Bereich Darstellende Kunst an den Schauspieler Bernhard Minetti, auf dem Gebiet Film, Hörfunk und Fernsehen an drei Gruppen: an die zweite Sektion der Berliner Filmfestspiele, das „Internationale Forum des Jungen Films“, zweitens an das mit dem Film „Liebe Mutter, mir geht es gut“ bekannt gewordene Filmmacherteam Christian Ziewer / Klaus Wiese, schließlich an die Filmredaktion des Ersten Fernsehens (ARD). Stipendien erhielten die Schriftsteller und Lyriker Ingomar von Kieseritzky, Nicolas Born und der in der DDR lebende Reiner Kunze (der es ablehnte), der Maler Palermo, der Architekt Jürgen Sawade, der Komponist Gerald Humel, die Tänzerin Monika Radamm und die Filmmacher Günther Hörmann, Ingo Kratisch, Lothar Lambert, Marianne Lüdcke, Thomas Mauch, Jean-Marie Straub, Wolfram Zobus. Das Novum, auf dem Filmsektor Preise und Stipendien an Teams statt an Einzelpersonen zu vergeben, sollte Schule machen.