Staatsangehörigkeit: DDR

Wo immer es geht, behaupten die DDR-Korrespondenten in Bonn ihr eigenes Staatsangehörigkeitsempfinden. So hat der Korrespondent Götze seine Staatsangehörigkeit beim Bonner Einwohnermeldeamt mit „DDR“ angegeben. Als der bearbeitende Beamte dahinter „dt“ setzte, wollte Götze die Änderung nicht hinnehmen. Darauf erklärte ihm der Beamte, dann gelte er als nicht gemeldet. Götze nahm die obrigkeitliche Staatsangehörigkeitsverordnung „unter Protest“ hin.

Springers Dilemma

Erhebliche Ratlosigkeit herrscht im Hause Springer wegen der Möglichkeit, die Akkreditierung von Korrespondenten in Ostberlin zu beantragen. Und zwar macht ein Doppelproblem zu schaffen: Zum einen sind die Redaktionen der Springer-Zeitungen für die Beantragung, während sich das Springer-Management dagegen ausgesprochen hat, so daß sich Axel Springer die Entscheidung darüber vorbehielt; zum anderen würde der Verzicht auf einen solchen Antrag auch bedeuten, daß praktisch keine Westberliner Zeitung einen DDR-Korrespondenten bekäme, weil mit Ausnahme des Tagesspiegel alle potenten Zeitungen Westberlins in Springers Hand sind. Das Springer-Dilemma wird durch zwei pikante Faktoren vergrößert: a) Die Bundesregierung sähe es gerne, wenn Westberliner Zeitungen in Ostberlin vertreten wären, schon um des Grundsatzes willen, daß Westberlin von den Vereinbarungen des Grundvertrages profitiert; b) glauben zuständige Kreise der Bundesregierung zu wissen, daß ein Akkreditierungswunsch etwa der „Welt“ von Ostberlin erfüllt würde.

Scheel in Heinemanns Villa?

Der Ausbau der Bundeshauptstadt beflügelt auch die Phantasie der politischen Spitze. So möchte Bundespräsident Heinemann, der unter der Bonner Schwüle und den laut tuckernden Rhein-Schiffen leidet, seinen Dienst- und Wohnsitz auf den Bonner Venusberg verlegen und in einen dort zu errichtenden Neubau einziehen. Heinemann ist sich der Unterstützung Außenminister Scheels sicher, dessen Interesse an der Villa Hammerschmidt als Dienst- und Wohnsitz bekannt ist. Scheels jetziges Domizil auf dem Venusberg ist nett, eng und unrepräsentativ.

Schwarze Solidarität