Bayerische Volkspartei – eine fragwürdige Stütze der Republik

Von Richard Schneider

Das Interesse der historischen Forschung an der Parteiengeschichte der Weimarer Republik ist – auch wenn sich Gründe und Aspekte in den letzten Jahren zum Teil verändert haben – unvermindert groß. Doch die meisten Darstellungen betreffen die Anfangs- und Endphase der Republik; weniger beachtet wird die mittlere Periode. Gerade für diese Zeit ist aber die Frage wichtig, ob die bürgerlichen Parteien nicht zum Untergang der Republik mehr beigetragen haben als Rechts- und Linksradikalismus.

Für die kleine, aber einflußreiche „Wirtschaftspartei“ („Reichspartei des deutschen Mittelstandes“) ist diese Frage erst vor kurzem von Martin Schumacher exemplarisch beantwortet worden. Mit einem ganz anderen sozio-kulturellen Milieu befaßt sich eine der neuesten Veröffentlichungen der „Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien“:

Klaus Schönhoven: „Die Bayerische Volkspartei 1924–1932“; Droste Verlag, Düsseldorf 1972; 305 Seiten, 54,– DM.

Die Gründungsgeschichte der Bayerischen Volkspartei (BVP) reicht bis in das Kriegsjahr 1917 zurück, als in Bayern immer häufiger die Forderung „Los-von-Berlin“ laut wurde und die emotionale Grundlage entstand, auf der die parteipolitische Abspaltung der bayerischen Katholiken vom Zentrum möglich wurde. Besonders Erzberger, der die Bayern hart treffende Finanzreform entwarf (siehe nebenstehenden Artikel), wurde für das bayerische Zentrum zur negativen Symbolfigur; noch Jahre später mußte er als Grund für die Trennung vom Reichszentrum herhalten.

Bereits drei Tage nach dem Sturz der Monarchie in Bayern luden die Bauernführer Heim und Schlittenbauer für den 12. November 1918 zur Gründungsversammlung nach Regensburg ein. Das Ziel der beiden „Zylinderbauern“ (Heim und Schlittenbauer waren Philologen) bestand darin, „eine neue, von echt bayerischem Geiste getragene, alle Schichten des Volkes umfassende Partei“ ins Leben zu rufen. Dem Rufe folgten hauptsächlich Mitglieder der Christlichen Bauernvereine, doch billigte der „Neunerausschuß“ des Bayerischen Zentrums ausdrücklich die Ablösung des Zentrums durch die Volkspartei. Damit war die Einheitsfront des politisch organisierten deutschen Katholizismus gesprengt und eine parteipolitische Sonderentwicklung in Bayern eingeleitet, die weder in den folgenden Jahren der Weimarer Republik noch nach 1945 rückgängig gemacht werden konnte.