Westeuropas größter Hochofen, von der August Thyssen-Hütte (ATH) in Duisburg-Hamborn vor wenigen Wochen in Dienst gestellt, macht Ärger. Kaum war das technische Wunder in Betrieb, da hagelte es Proteste: Der „schwarze Riese“ ist zu laut.

Thyssen-Chef Hans-Günther Sohl beschwichtigte. Der Blitz sei in eine Transformatorenstation eingeschlagen, habe die Gichtgasreinigung außer Betrieb gesetzt und bewirkt, daß drei Minuten lang ungereinigtes Gichtgas laut zischend entwichen sei. Aber nicht diese Panne störte, sondern der dauernde Lärm, den der schwarze Riese verursacht.

Die Bürger alarmierten ihre Volksvertreter, die sich vor Ort mit den Betroffenen solidarisierten. Forderung des CDU-Linken Ferdi Breidbach: Doppelfenster und Klimaanlagen für alle betroffenen Wohnungen, Finanzierung eines Jahresurlaubs für die Bewohner.

In der vergangenen Woche schlug auch die Gewerbeaufsicht zu. Sie ordnete die sofortige Stillegung des Ofens an. Die ATH legte postwendend beim zuständigen Verwaltungsgericht Widerspruch ein und erreichte zunächst einen Aufschub. Argument der Thyssen-Leute: Der Lärm läßt sich nur abstellen, wenn der Ofen in Betrieb ist. Die Hüttenleute versprachen, den Geräuschpegel bis zur Jahresmitte auf ein erträgliches Maß zu senken.

Bis dahin erfaßt das Beben nicht nur die Wohnhäuser in Duisburg-Hamborn, sondern auch die Vorstandsetagen der ATH. Immerhin hat der Riese am Rhein mehr als 400 Millionen Mark gekostet. Müßte er stillgelegt werden, geriete der Thyssen-Konzern ins Wanken. hgk