Von Gabriel Laub

Man nannte ihn den „rasenden Reporter“, den „Roten Reporter“, den „Poeten der Reportage“ und den „klassischen Journalisten“. In der Nazi-Typologie war er „der Asphaltliterat, dessen Bücher mit Recht schon auf unseren ersten Scheiterhaufen verbrannt wurden“.

Egon Erwin Kisch starb am 31. März 1948 an einem Herzschlag, kurz vor seinem dreiundsechzigsten Geburtstag, nicht ganz zwei Jahre nach der Rückkehr in seine Heimatstadt Prag, fünf Wochen nach der kommunistischen Machtübernahme in der Tschechoslowakei.

Die Legende will wissen, die Ärzte hätten Kisch noch zehn Jahre Leben versprochen, wenn er auf Rauchen, Trinken und Liebe verzichte; er habe jedoch abgelehnt. Legenden mögen ausgedacht sein und trotzdem die Wahrheit sagen.

Die Legende aber, daß er ein „rasender Reporter“ gewesen sei, stimmt nicht, obwohl das der Titel seines berühmtesten Buches war. Er forschte und schrieb gründlich, ich habe selbst seine mehrmals umgeschriebenen Manuskripte gesehen, die Leichtigkeit seines Stils war das Ergebnis schwerer Arbeit.

Sonst geben die Titel seiner Bücher seinen Charakter, Lebensstil und Lebenslauf recht gut wieder. Man braucht nur einige zu nennen: „Abenteuer in Prag“ und „Soldat im Prager Korps“ (auch unter dem Titel „Schreib das auf, Kisch“ bekannt), „Abenteuer in fünf Kontinenten“, „China geheim“, „Zaren, Popen, Bolschewiken“, „Landung in Australien“ und „Entdeckungen in Mexiko“, „Eintritt verboten“ und „Wagnisse in aller Welt“. Und „Geschichten aus sieben Ghettos“.

Egon Erwin Kisch war Weltbürger. Die kritische Engagiertheit, mit der er die fünf Kontinente beschrieben hat, beweist, daß er sich nirgends nur als Gast gefühlt hat. Und Kisch war Prager, nicht nur von Geburt. Er liebte Prag wie seine Mutter, die er sehr liebte.