Achtzehn Jahre, nachdem die ersten Militärberater der Vereinigten Staaten in Vietnam eingetroffen waren, begann am Dienstag der Abzug der letzten amerikanischen Truppen. An diesem Tage standen noch 5200 US-Soldaten in Südvietnam. Die Rückführung war mehrfach ausgesetzt worden, weil die Freilassung der amerikanischen Kriegsgefangenen unterbrochen wurde.

Das Tauziehen endete am Montag mit der Zusage der kommunistischen Pathet-Lao-Verbände in Laos, neun Amerikaner freizugeben, deren Rückkehr Washington von Hanoi gefordert und zur Bedingung des weiteren Truppenabzugs gemacht hatte. Die Entlassung der letzten 67 (von knapp 600) Gefangenen Nordvietnams und des Vietcong wurde für Donnerstag zugesichert.

Damit wurde der Zeitplan des Vietnam-Abkommens vom 27. Januar nicht ganz eingehalten. Es hatte in einem Junktim die Gefangenen-Freilassung und den Truppenabzug innerhalb von 60 Tagen, bis zum 28. März, vorgesehen.

Dennoch zeigte sich Präsident Nixon über das Ergebnis der Geheimverhandlungen, welche die restlichen Schwierigkeiten bei der Erfüllung des Abkommens ausgeräumt hatten, sehr zufrieden. Dagegen gibt es immer noch Hindernisse beim Austausch der Gefangenen zwischen Nord- und Südvietnam und dem Vietcong. Nach Angaben aus Saigon halten die Kommunisten Gefangene zurück aus Protest dagegen, daß 210 entlassene Soldaten Nordvietnams und des Vietcong nicht zurückkehren wollen.

Der letzte Befehlshaber, der amerikanischen Truppen in Vietnam, General Weyand, verabschiedete sich am Dienstag in Saigon von Staatspräsident Nguyen Van Thieu.