Von Peter Figlestahler

Die Nachricht aus Washington rief Verzweiflung unter den Managern von WGBH, der Bostoner Zweigstelle des „öffentlichen Fernsehens“, aus. Sie kam von der Washingtoner Zentrale der „Corporation for Public Broadcasting“ (CPB) und enthielt die Mitteilung, daß für das kommende Sendejahr 1973/74 für die Produktion von neun der elf projektierten Programme kein Geld zur Verfügung stehe. Für Michael Rice, den Programmdirektor dieser Fernsehstation, war es „das letzte, was wir erwarteten“. Denn der Streichung fielen zwei der populärsten Programme, die WGBH auf nationaler Ebene ausstrahlt, zum Opfer: „Zoom“, das beliebteste amerikanische Jugendmagazin, und das „Black Journal“, eine Sendung, die sich an die schwarze Bevölkerung Amerikas richtet.

Zur Resignation haben die Verantwortlichen von WGBH wie auch der anderen 233 lokalen Stationen dieses nationalen Fernsehnetzes, das sich etwa mit den Dritten Programmen der ARD vergleichen läßt, allen Grund. Statt der 70 Millionen Dollar, die man der CPB noch vor einem Vierteljahr fest versprochen hatte, soll die auf diese Subventionen angewiesene Senderkette nur noch die Hälfte, ungefähr 35 Millionen, erhalten.

Mit diesem bescheidenen Betrag – die drei kommerziell orientierten Sendeanstalten von ABC, CBS und NBC erhielten im vergangenen Jahr allein aus der Werbung zusammen 4,11 Milliarden Dollar – können die geplanten Programme für das „Public Television“ (PTV) kaum produziert werden. Das kommerziell unabhängige PTV steht nun, bedingt durch die Kürzungen, dicht vor dem Bankrott, sofern nicht in letzter Minute noch ein Wunder geschehen sollte. CPB, die Dachorganisation des „Öffentlichen Fernsehens“, bemüht sich gegenwärtig, von heftigen Protesten aus der Öffentlichkeit unterstützt, um die Bewilligung weiterer Mittel beim amerikanischen Kongreß.

Die Bankrotterklärung dieser „öffentlichen“ Fernsehanstalt ist vor allem das Kalkül von konservativen Politikern, voran der Nixonschen Ministerialbürokratie, der die liberale Politik des „Public Television schon lange ein Dorn im Auge ist. Andererseits schwelt die Krise dieser Anstalt, die ursprünglich als Alternative zum kommerziellen Fernsehen gedacht war, schon seit langem.

1952 hatte die Federal Communications Commission (FCC), die bundesstaatliche Aufsichtsbehörde für das Rundfunkwesen, 242 Kanäle im VHF- und UHF-Band für Fernsehstationen freigegeben, die ihr Programm nach nichtkommerziellen Gesichtspunkten gestalten wollten. Auf diesen Frequenzen strahlten zunächst Hochschulsender Ausbildungs- und Erziehungsprogramme aus. Dazu gehörte auch WGBH, das 1955 auf Initiative der damaligen Präsidenten der Harvard University, des Massachusetts Institute of Technology, der Boston University und von Bürgern in Boston und Cambridge entstanden ist.

Zugleich begannen auch einzelne Städte wie Pittsburg, San Francisco, Cincinnati und St. Louis „öffentliche“ Fernsehstationen für lokale Themen einzurichten. 1958 zählte man bereits 35 solcher Sender, bis 1967 stieg ihre Zahl auf rund 150. Obgleich ein loser Verbund, wurden sie unter dem gemeinsamen Namen „Educational Television (ETV), also Bildungsfernsehen, zusammengefaßt.