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Um den Wert von deutschen, gegenüber ausländischen Kunstprodukten verbindlich und sachgerecht feststellen zu können, wurde kürzlich ein "Gremium der sieben Weisen" von Kanzler Brandt zusammengerufen. Wie jetzt durch eine gezielte Indiskretion frühzeitig bekannt wurde, beschloß das Gremium (Leitung Dr. Willi Bongar d) auch in der Kunst, dem guten Beispiel der Wirtschaft folgend, zum System des Floating überzugehen. Ab 1. 1. 1974 wird wöchentlich einmal ein Passagierdampfer der Luxusklasse mit eingereichten Kunstwerken sowie Sammlern, Kennern und, geladenen Gästen einige Meilen ins Meer hinausfahren. Für Skulpturen und Objekte ist die Nordsee, für Bilder, Zeichnungen, Graphik ist die Ostsee als Testgelände vorgesehen. Unter dem Jubel der illustren Gesellschaft werden die Kunstwerke über Bord geworfen. An einem in der Nähe gelegenen Strandabschnitt wartet in gemieteten Körben eine Jury, die den Ausgang des Floatens beobachtet. Der Wert der Werke wird an der Reihenfolge ihres Strandens gemessen. Wie wir erfahren, hat die Industrie sich bereits auf das neue Kunstwert-Ermittlungsverfahren eingestellt. Sie bietet bereits salzwasserfeste Aquarellfarben, Luftkissen in allen Größen, dezent und leicht montierbar, sowie aufblasbaren Marmorersatz an.