Der Bundestag soll klüger werden. Auf einer öffentlichen Informationssitzung des Ausschusses für Forschung und Technologie in der vergangenen Woche regte der CDU-Parlamentarier Christian Lenzer die Errichtung eines „Amtes für Technologie-Bewertung“ an, das die Abgeordneten in den Stand setzen soll, sich sachkundig gegen Ministerialbürokratie und Expertokratie zu behaupten.

Würde Lenzers Vorschlag realisiert, könnten die deutschen Abgeordneten mit ihren amerikanischen Kollegen gleichziehen, die derzeit dabei sind, sich ein „Office for Technology Assessment“ (OTA) einzurichten, dessen Notwendigkeit sich bereits Mitte der sechziger Jahre aufdrängte.

Damals orakelte Jerome Wiesner, vormals Wissenschaftsberater von John F. Kennedy und später Präsident des Massachussets Institute of Technology, daß „der Mensch durch ein Frühwarnsystem vor seinen eigenen Erfindungen geschützt werden muß.“ Das Raunen des Bostoner Forscher-Papstes fand sogleich Gehör im Kongreß. 1967 präsentierte Emilio Daddario, damals der Vorsitzende des Unterausschusses für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung im Repräsentantenhaus, einen ersten Gesetzentwurf zur Installierung dieses Frühwarnsystems, das auf den Namen „Technology Assessment“ – Technologie-Bewertung – getauft wurde: Es sollte dazu dienen, beabsichtigte und unbeabsichtigte Effekte sowie langfristige Konsequenzen bestimmter Technologien systematisch abzuschätzen.

Als Präsident Nixon im Oktober vergangenen Jahres das entsprechende Gesetz unterzeichnete, hatten sich durch fünfjährige Denkübungen und Planspiele der Rahmen des Bewertungsrahmen beträchtlich erweitert. Folgende Aufgaben waren hinzugekommen:

  • die Untersuchung alternativer Technologien und ihre Bewertung im Vergleich zu etablierten Techniken
  • die vergleichende Analyse verschiedener Technologien in Hinblick auf eine sachgerechte Gesetzgebung, etwa zur Besteuerung umweltbelastender Produktionsverfahren.
  • die Bewertung staatlich finanzierter Forschungsprogramme, ihrer Ziele und Methoden
  • die Untersuchung alternativer Forschungsprogramme.

Die Senatoren und Repräsentanten hoffen außerdem, daß ihr OTA den mitunter bedrückenden Informationsvorgang der Exekutive und der Interessenverbände reduzieren wird.

Bislang fühlten sich die amerikanischen Parlamentarier oft genug bei der Beurteilung von aufwendigen Forschungs- und Entwicklungsprojekten – zum Beispiel dem Bau eines Überschall-Passagierflugzeugs oder der Entwicklung fortgeschrittener Reaktortypen – überfordert oder vom Expertenwissen überfahren. Als einzige Reaktionsmöglichkeit blieb ihnen Zustimmung oder Ablehnung, häufig durch nichts anderes begründet als die-Überzeugungskraft der Antragsteller oder pure Emotionen.