Petrus J. Lardinois, das holländische Mitglied der EWG-Kommission, will wieder Ordnung auf dem durch Währungskrisen zerrütteten Gemeinsamen Agrarmarkt schaffen. Der erste Schritt dahin soll nach dem Willen von Sicco Mansholts Nachfolger mit den im Frühjahr fälligen Beschlüssen über die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise für das neue Erntejahr getan werden.

Alle in Rechnungseinheiten (RE=3,66 Mark) ausgedrückten Agrarpreise sollen um 2,76 Prozent heraufgesetzt werden. Dieser Satz entspricht der Aufwertung der Währungen der Benelux-Länder, deren Grenzausgleich damit fortfallen würde. Die Preisgräben, die den Gemeinsamen Agrarmarkt aufspalten, wären dann zwischen fünf Mitgliedstaaten (Belgien, Holland, Luxemburg, Frankreich und Dänemark) wieder zugeschüttet. Für die Bundesrepublik, deren Agrarpreise sich inzwischen um acht Prozent vom Gemeinschaftsniveau fortbewegt haben, würde der Grenzausgleich wie vor der letzten Marktaufwertung nur noch fünf Prozent betragen. Für Italien, Großbritannien und Irland sind auch zukünftig veränderliche Grenzbeträge erforderlich.

Nebenher generellen, währungspolitisch Kommission dem Ministerrat gezielte Preisbeschlüsse vorgeschlagen. Mit ihnen will man den Ungleichgewichten auf den Agrarmärkten Rechnung tragen und der Produktion neue Orientierungen geben. Ende 1972 wurde in den EWG-Ländern ein Butterberg von 400 000 Tonnen registriert, dagegen belief sich das Angebotsdefizit bei Rindfleisch auf 560 000 Tonnen. Zur Ankurbelung der Fleischproduktion sollen daher die Preise für Schweine, Rinder und Kälber angehoben werden. Bei Weizen, Gerste, Zucker, Mais sollen keine zusätzlichen Veränderungen eintreten. Der Verbraucher soll davon nichts spüren, da die Marktpreise ohnedies schon bei Fleisch weit über den für Landwirte wichtigen Orientierungspreisen liegen. Als Bonbon hält Brüssel eine Senkung des Interventionspreises für Butter bereit. Verbunden mit einer Verbrauchersubvention könnte dann in der Bundesrepublik ab 1. Mai ein Kilo Butter statt 6,80 Mark nur noch 5,70 Mark kosten.

Doch nicht alle Betroffenen sind über die Vorschläge der Kommission begeistert. Cornelis Knottnerus, Präsident der Vereinigung Europäischer Bauernverbände, bezeichnete die Preisaufschläge für unzureichend. Er fordert stärkere Preisanhebungen: Statt der von der Kommission vorgeschlagenen drei Prozent möchte er die Agrarpreise um 7,5 Prozent erhöhen. Für den 6. April hat er eine Bauernversammlung nach Brüssel einberufen, hhb