Von Hans Otto Eglau

Jeder darf sich blamieren, soviel er will. Aber wenn es ernst wird, müssen alle fitgetrimmt sein.

Was Unternehmer und Manager zwei einem zehnte lang nachholen: können sie in einem Schnellkursus nachholen: sich das ideologische Rüstzeug zur theoretischen Abwehr linker Systemveränderer aneignen. Ausrichter des Fitness-Trainings für Bosse ist das Deutsche Industrieinstitut in Köln. Als Sparringspartner schickt die PR-Zentrale der deutschen Arbeitgeber diskussionserprobte Systembejaher in den Ring, Inim Tarnkleid überzeugter Linker auftreten. Institutschef Burkhard Freudenfeld über die größtenteils aus seinem eigenen Hause stammenden Schaukämpfer: „Linker können die echten Linken auch nicht sein.“

Zur ideologischen Aufrüstung entschlossen sich die Kölner Industriesprecher, nachdem Mitte der sechziger Jahre das herrschende Wirtschaftssystem zum bevorzugten Angriffsobjekt der außerparlamentarischen Opposition geworden war. Die Unternehmer, in der Wiederaufbauphase in den Rang einer „neuen Aristokratie“ (Freudenfeld) emporgestiegen, sahen sich plötzlich in die Ecke unverbesserlicher Gesellschaftsschädlinge gedrängt. Doch jahrelang allein auf ihre betrieblichen Tagesprobleme fixiert, reagierten sie auf die Attacken ihrer durchweg ideologisch vorgebildeten Kritiker meist völlig hilflos.

Mit gedrucktem Elementarwissen versuchten die Verbandspublizisten ihren Kollegen an der Basis Beistand zu leisten. Unter dem Titel.„Argumente zu Unternehmerfragen“ gibt das Industrieinstitut gebrauchsfertig aufbereitetes Kurzmaterial über aktuelle Diskussionsthemen wie Mitbestimmung, Vermögensbildung oder die Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften heraus. Eine 1970 herausgebrachte achtseitige Broschüre erlebte bereits 15 Auflagen mit insgesamt 300 000 Exemplaren.

In einer Schriftenreihe „Sozialistische Modelle“ stellten die Kölner Industrie-Anwälte verunsicherten Unternehmern die Wirtschafts-Systeme Jugoslawiens, Ungarns, Schwedens, Chiles und Chinas vor. Auf dem Programm stehen noch Abhandlungen über die Sowjetunion, Kuba, die DDR und den Prager Reformpolitiker Ota Sik.

Um Bosse und Manager nicht nur mit Fachwissen zu füttern, sondern auch taktisch auf Redeschlachten mit Systemgegnern vorzubereiten, kamen Freudenfeld und Kollegen auf die Idee, den „Ernstfall“ im häuslichen Studio zu simulieren. In zweitägigen Seminaren praktizieren die Teilnehmer sogenannte Argumentationsübungen, analysieren die Rede- und Diskussionstechniken ihrer Gegner und erproben in kleineren Arbeitsgruppen die Diskussion über Themen wie Leistungsprinzip, Betriebsverfassungsgesetz und Umweltschutz. An Hand von Fernsehaufnahmen können die Teilnehmer ihre eigenen Fehler studieren. Der rhetorische Härtetest ist für die meisten Bosse anstrengender als eine zehnstündige Aufsichtsratssitzung. Institutsleiter Freudenfeld: „Die werden in so harte Fragestellungen getrieben, daß ihnen der kalte Schweiß ausbricht.“