Der US-Kongreß untersucht Angriffe auf die internationalen Konzerne

Von Carola Kaps

Die einen preisen, die anderen verdammen sie, für die einen ist sie ein Vehikel des internationalen Wohlstandes, die anderen sehen in ihr den Ausverkauf der nationalen Interessen und Rechte. In dieser Form der Schwarzmalerei wird zur Zeit in den USA die Diskussion über die multinationalen Unternehmen geführt, wobei ihre schärfsten Gegner die amerikanischen Gewerkschaften sind.

Wie unvorbereitet die Wirtschaftswelt dem plötzlichen Angriff gegenübersteht, zeigt sich daran, daß es noch keine allgemein anerkannte Definition für das multinationale Unternehmen gibt. Es ist – obgleich es internationale Gesellschaften bereits während des britischen Empires gab – ein Kind der Nachkriegszeit. Meist wird sie als eine Gesellschaft charakterisiert die in vielen Ländern produziert und verkauft und – die ihre Investitions-, Forschungs-, Verkaufs- und Verteilungspläne in einen globalen internationalen Rahmen stellt.’ Diese Definition trifft auf etwa 400 Unternehmen zu, von denen etwa 200 amerikanischen Ursprungs sind, unter ihnen so bekannte Gesellschaften wie General Motors, RCA, IBM, Dow Chemical und ande-e „blue chips“.

Explodierende Gewinne

Das galoppierende Wachstum der Multinationalen ist an Hand einiger Statistiken erkennbar, die aus neuen Untersuchungen der amerikanischen Regierung, der Zollkommission und des Kongresses stammen. Die Umsätze der Auslandstöchter amerikanischer Multinationaler hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht, von rund 29 Milliarden Dollar 1960 auf 90,4 Milliarden Dollar im Jahre 1970. Diese Verkaufserfolge spiegeln die fieberhafte Investitionstätigkeit in dieser Periode wider, mit der die Multinationalen ihre Produktionsstitten im Ausland ausbauten. Der Buchwert der Auslandsinvestitionen erhöhte sich im gleichen Zeitraum von rund 32 Milliarden auf 86 Milliarden Dollar bis 1972.

Mit ihrem explodierenden Wachstum rückten die Multinationalen mehr und mehr in die Schußlinie derjenigen Gruppen, die die Macht und die Wohlfahrtseffekte der Giganten in Frage stellten. Sie stehen im Kreuzfeuer zwischen amerikanischen Gewerkschaften und ausländischen Kritikern, die sie einer modernen Form des Imperialismus bezichtigen. Sie haben potente Freunde im Weißen Haus, während im Kongreß unentschiedenes Abwägen in harte Gegnerschaft umgeschlagen ist, nachdem in diesen Tagen die ITT-Affäre in Chile die Unverfrorenheit wirtschaftlicher Potenz ans Licht brachte.