Einige Dilettanten haben in diesen Tagen ein sogenanntes "Handbuch der Ferienplanung" auf den Markt gebracht, über dessen Existenz man besser mit Schweigen hinweggegangen wäre, bestünde nicht die Gefahr, daß die Öffentlichkeit durch irreführende Werbung und Legendenbildung um Autor und Entstehungsgeschichte des Buches bewußt hinters Licht geführt wird.

Der Molden Verlag, der für dieses "Kompendium von Halbwahrheiten" (FAZ) verantwortlich zeichnet, wirbt für sein Touristenbuch so: "Allein 1971 wurden etwa ein Viertel aller Pauschalreisen Opfer unseriöser Praktiken mancher Touristik-Unternehmen." Dieser Satz geht auf eine Fragebogenaktion der Stiftung Warentest aus dem Jahre 1970 (!) zurück, die Autor Gröper im Buch selbst mehrfach zitiert und erwähnt. Von den 150 000 Lesern der Zeitschrift "test" sandten damals 1000 (das ist nicht einmal ein Prozent!) einen Fragebogen zurück, 25 Prozent von ihnen erklärten darauf, sie seien mit ihrem Urlaub nicht zufrieden gewesen. In einem Nebensatz wird im Buch zwar erwähnt, diese Fragebogenaktion sei nicht repräsentativ gewesen, welche manipulierende und irreführende Wirkung sie auf Laien haben muß, kann man aber recht gut an der Werbung des Molden Verlags studieren. Dazu test-Chefredakteur Lösenbeck: "Diese Werbemethode ist kriminell", und selbst Verleger Molden gesteht inzwischen ein: "Das kann nicht seriös sein."

Dilettantisch ist der Molden Verlag aber schon bei der Wahl seines Autors vorgegangen. Er hätten wissen müssen, daß Gröper "in der Branche schon einschlägig bekannt ist" (Scharnow-Geschäftsführer Rudolph) und daß sich die Fachleute landauf, landab über Gröpers "Erkenntnisse" amüsieren (Süddeutsche Zeitung).

So hat im Molden Verlag bis zum 14. Februar (als ZEIT- und Stern-Anwalt Dr. Senfft eine einstweilige Verfügung androhte) offenbar auch niemand gewußt, daß große Teile dieses Buches aus ZEIT, Stern, Capital, Spiegel, FAZ und test abgeschrieben worden sind. Während Verleger Molden jetzt von einem "schweren Fehler" spricht, in aller Form erklärt: "Wir sind nicht gewohnt zu stehlen", inzwischen 33 000 Mark an ZEIT und Stern zahlte und einen entsprechenden Quellenhinweis nachträglich ins Buch drucken ließ, gibt sich Autor Gröper nach wie vor ahnungslos. Für ihn ist diese Art von "Lizenznahme" offenbar völlig in Ordnung.

Aber Gröper hat nicht nur abgeschrieben, er hat auch noch schlecht abgeschrieben (FAZ: "Es müssen Zweifel aufkommen, ob er überhaupt des Lesens kundig ist") und wahllos uralte und neuere Manuskripte durcheinandergewürfelt. So sind beispielsweise von 25 Flugpreisen, die wir nachprüften, alle 25 falsch und differieren mit den tatsächlichen Preisen bis zu 600 Mark. Auch andere Preise, Versicherungsprämien und Daten stimmen nicht. Ein Gerichtsurteil wird zitiert, das nie rechtskräftig geworden ist. Man könnte die Liste beliebig fortsetzen.

Dilettantisch strickt der Molden Verlag schließlich an der Legende, hier sei der erste Autor, der sich kritisch mit der Reisebranche beschäftigt habe, das Opfer einer Verschwörung der Betroffenen und ihrer Helfer geworden. Auf eine perversere Weise ist noch nie eine Märtyrerkrone geflochten worden. Wer diese Zeitung liest, weiß, daß sie es stets als ihre Aufgabe betrachtet hat, die Arbeit der Reiseveranstalter und das Touristikgeschäft besonders kritisch zu verfolgen. Sie steht damit nicht allein. Daß es unter den Reisejournalisten Ahnungslose gibt (die zum Beispiel das Molden-Büch über den grünen Klee loben), steht auf einem anderen Blatt.

Das kritische Buch über den Tourismus in Deutschland steht also noch aus. Gröper hat es nicht geschrieben, er hat die Touristen selber verschaukelt und verkauft. Ferdinand Ranft