Zwei Kommissionen ordneten die Vorschlagsflut

Von Eduard Neumaier

Bonn, im März

Christdemokratische Parteitage nehmen sich gegen sozialdemokratische aus wie ein 200-Meter-Sprint gegen einen Marathonlauf unter erschwerten Bedingungen. Die SPD-Delegierten, die am 9. und 10. April in Hannover zum Parteitag der fünf Tage antreten, werden Last und Lust der innerparteilichen Demokratie kosten dürfen: 977 Anträge liegen ihnen vor und mit ihnen viel ideologischer Ballast.

Doch der Preis ihres Fleißes ist schon vorprogrammiert. Zwei Antragskommissionen der Partei haben die Vorlagen der Parteigliederungen von Steenbek/Projensdorf bis Landshut gesichtet und Entscheidungshilfe vorformuliert. Wer seinem eigenen Verstand nicht traut und lieber dem der Oberen, kann sich an die Empfehlungen halten, die die Kommissionen zu jedem Antrag gegeben haben.

Außenpolitik

Zu ordnen gab es viel: 283 Anträge allein zum vielgeschmähten „Langzeitprogramm“, jetzt „Orientierungsrahmen ’85“ genannt, achtzig zum Thema Sozialpolitik, 46 zur „Mitbestimmung und Betriebsverfassung“, 68 zum Bodenrecht, 39 Anträge zur Gesundheitspolitik. Fünfhundert Anträge kamen zu „anderen Themen“, wozu sogar die Außenpolitik zählt. Doch wieviel auch immer zu einzelnen Komplexen angetragen wurde – schon die diagonale Durchsicht vermittelt den Eindruck, daß die Linke allgegenwärtig und sie als einzige antrags- und artikulationsfähig sei.