Die Immobiliensparer in der Bundesrepublik scheinen ihren Fonds nicht mehr zu trauen. Zum erstenmal seit Jahren ist der Anteilsabsatz bei offenen Immobilienfonds rückläufig. Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) in Frankfurt wurden im Februar dieses Jahres nur Zertifikate im Wert von 39,1 Millionen Mark verkauft. Das sind 28 Prozent weniger als im Vormonat und sogar 45,6 Prozent weniger als im Vergleich zum Februar 1972. Damit ist der Absatzboom bei den Grundstücksfonds abrupt beendet worden.

„Tatsächlich beobachten wir schon seit November letzten Jahres eine leicht negative Tendenz im Verkauf, berichtet co-op-Fondschef Gerhard Gathmann aus Hamburg. Verantwortlich dafür macht er:

  • die Pressemeldungen über leerstehende Wohnungen und stagnierende Mieterlöse,
  • die Konkurrenz von Rentenfonds und Anleihen, die von der augenblicklichen Hochzinspolitik profitieren,
  • den leichten Rückgang bei den Renditen offener Immobilienfonds auf Grund der enorm hohen Liquidität vom vergangenen Jahr.

Die Flucht der Sparer in die Sachwerte führte 1972 bei den offenen Grundstücksfonds in der Tat zu Problemen. Der ungeheure Kapitalzufluß konnte nicht sofort verkraftet werden. Einige Immobilienanlagegesellschaften hielten Liquiditätsreserven von mehr als dreißig Prozent ihres Vermögens. Fondsmanager konnten gar nicht so schnell investieren, wie neues Geld hereinkam. Diese „unnatürliche Entwicklung“ (Gathmann) gerät nun in normale Bahnen.

„Trotzdem sind die Anleger verunsichert“, stellt der BVI fest. Die stabilitätspolitischen Maßnahmen der Bundesregierung vom 17. Februar sowie die Diskussionen über Pläne zur Drosselung des Baubooms und zur Einschränkung der Bodenspekulation zeigen Wirkungen. Obwohl die offenen Fonds von den Maßnahmen noch nicht betroffen wurden, sorgen sich die Sparer:

– Droht meinem Fonds ein Renditeschwund auf Grund der steuerpolitischen Maßnahmen?

– Droht ihm ein plötzlicher Kursrutsch, da immer mehr Wohnungen und Büroräume leer stehen?