Von Horst-Wolfgang Bremke

Nach totaler Flaute schlug das Wetter plötzlich um. Noch zum Jahreswechsel klagten die Werften nahezu aller traditionellen westlichen Schiffbauländer einstimmig über Ebbe in ihren Auftragsbüchern. Der Grund: niedrige Raten auf den Seefrachtmärkten ließen die Reeder vor neuen Investitionen zurückschrecken.

Dem Frachtboom im Herbst letzten Jahres folgte jetzt der Auftragsboom für Neubauten. Er kam dennoch so überraschend, daß beispielsweise in der Bundesrepublik die Werft-Verbandsfunktionäre noch in Bonn um Regierungssubventionen für die notleidende Branche anstanden, während ihre aktiven Kollegen an der Küste die Orderbücher füllten.

Erfolgsmeldungen drahteten alle internationalen Schiffbauplätze. Eine wahre Auftragsflut verzeichnen Großbritanniens Werften, die sonst nur mit wochenlangen Streiks Schlagzeilen machen. Innerhalb der ersten zwei Monate dieses Jahres buchten englische Schiffbauer Aufträge im Wert von rund 400 Millionen Pfund und übertrafen damit die Gesamtbestellungen der vorausgegangenen zwei Jahre.

Französische Werften wollen stärker ins Exportgeschäft kommen; zwei Tanker für die Shell-Gruppe waren die ersten Bestellungen.

Amerikanische Werften, schon beinahe totgesagt, starteten ein Comeback. Der Verband der amerikanischen Schiffswerften schätzt „vorsichtig, daß amerikanische Werften bis 1980 mit Aufträgen über mindestens 25 Großtanker für etwa 2,5 Milliarden Dollar rechnen können“.

Europasnewcomer, die spanischen Werften, verfügen, nach Angaben des Bremer Instituts für Seeverkehrswirtschaft, über einen Auftragsbestand von 349 Schiffen mit insgesamt 5,58 Millionen Bruttoregistertonnen.