Der Klärungsprozeß am linken Rand der SPD schreitet fort, Dreißig hessische Jungsozialisten, Mitglieder der Stamokap-Gruppe, haben der SPD den Rücken gekehrt; zwanzig von ihnen sind in die DKP eingetreten. Sie handelten konsequent. Denn weder ihre Theorie vom staatsmonopolistischen Kapitalismus, noch ihre Bündnispraxis mit der KP, und auch nicht ihr leninistisches Parteiverständnis passen in den politischen Rahmen der SPD. Die Mitglieder der hessischen Juso-Landesgruppe waren politisch den Kommunisten zum Verwechseln ähnlich; von den Jungsozialisten trennt sie vieles, von der SPD-Führung eine Welt.

In der SPD ist man über diese Entwicklung gewiß nicht unglücklich. Und wenn den dreißig Hessen noch ein paar Dutzend anderer Stamokap-Anhänger zur DKP folgten, weinte ihnen niemand eine Träne nach. Die SPD kann nur froh darüber sein, wenn ihre Grenze nach links scharf markiert ist. Freilich, die ideologische Diskussion in der SPD ist damit keineswegs ausgestanden. Zur Interpretation des Godesberger Programms hatte die Stamokap-Gruppe ohnehin nichts beizutragen. Die Auseinandersetzung um dieses Programm erledigt sich nicht durch Parteiaustritte; sie muß durchgefochten werden.