Von Kai Krüger

Ein Wolkenbruch prasselte hernieder. Die Zelte brachen zusammen, Kunden wrangen ihre Decken aus. Einer trieb schlafend auf seiner Luftmatratze. Niemand wagte, ihn zu wecken. Er war Epileptiker. Georg Haiti, damals 30, Busunternehmer aus Tittling bei Passau, war am Ende: „Es war ganz fürchterlich.“

Trübe starrte er in die Fluten, in denen nicht nur sein Zeltlager, sondern auch sein Wahlspruch zerrann: „Dem Abenteuer dieser Welt auf der Spur zu sein ohne persönliches Risiko und ohne eigene Sorgen, preiswert und in netter Gesellschaft.“ Höltl ahnte, daß seine nette Busgesellschaft so viel Abenteuer nicht wollte.

Auf dieser letzten Reise der Saison 1958, unterwegs von Portugal nach München und fortgespült auf dem Campingplatz zu Nizza, beschloß er ein besseres Leben. Acht Jahre lang hatte er deutsche Touristen zu Niedrigpreisen ans Mittelmeer und an den Atlantik geschafft. „Wir waren die ersten Deutschen in Italien, damals 1950. In Verona haben sie uns noch angespuckt: Die Deutschen kommen. 1952 waren wir die ersten in Spanien, extra über die Schweiz, um Visa und Devisen zu kriegen.“

Und dann waren sie die ersten Camper am Gardasee: Als die Hotels immer voller und teurer wurden, schweißte Bus-Mann Höltl sich einen Küchenanhänger, eine zivile Gulaschkanone, zusammen, kaufte vierzig Doppelzelte und schrieb seine Reisen als Campingreisen aus: „Als wir am Gardasee irgendwo im Grünen unsere Zelte aufschlugen, haben die Leute uns ausgelacht. Ich ließ sie lachen – heute ist der ganze Gardasee ein einziger Campingplatz.“

Nach der Sintflut von Nizza stockte Höltl seinen Speisewagen zu einem Schlafwagen auf: „Erstens hatte ich begriffen, daß man als Reiseunternehmer die Nacht so ernst nehmen muß wie den Tag. Zweitens wollen die Leute nicht erst eine Stunde lang Betten bauen, sondern sich gleich zurückziehen können, wenn ihnen danach ist. Und drittens muß jeder allein schlafen können. Ich hätte nie einen Wagen gebaut, in dem alle wie die Heringe in einer Kiste geschlafen hätten.“

Sein Bruder, ein Bauingenieur mit Zeichenbrett, erklärte ihn für verrückt. Nur widerwillig brachte er das Bettgefährt zu Papier. Als der Prototyp fertig vor Georg Höltl stand, war er von seinem Roll-Hotel so begeistert, daß er die Pläne schleunigst zum Patentamt nach München fuhr: „Die Idee war so gut, da versucht man einfach, sie schützen zu lassen.“