Wirtschaft

Bonner Kulisse

Eine ungute Koalition zwischen kurzsichtigen Besitzenden und eifernden Superlinken in der eigenen Partei fürchtet Philip Rosenthal, SPD MdB und Vermögensbildungs - Experte.

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Feuilleton

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DIE ZEIT

Deutscher Zwiespalt

Während der Bundestag in Bonn hartnäckige Gefechte um die praktischen Auswirkungen des Grundvertrages führte, hat die DDR ihre Abgrenzungsideologie bekräftigt und ausgebaut.

Heim zur KP

Der Klärungsprozeß am linken Rand der SPD schreitet fort, Dreißig hessische Jungsozialisten, Mitglieder der Stamokap-Gruppe, haben der SPD den Rücken gekehrt; zwanzig von ihnen sind in die DKP eingetreten.

Schlußstrich in Vietnam

Für die Amerikaner geht der längste und bitterste Krieg ihrer Geschichte nun wohl endgültig zu Ende. Es ist abgemacht, daß die letzten amerikanischen Einheiten und die letzten amerikanischen Kriegsgefangenen in dieser Woche Vietnam verlassen.

Mehrheit und Gewissen

Steht die Bundesrepublik vor einem neuen Kulturkampf? Leben wir in einem von weltanschaulichen Konflikten zerrissenen Land? So könnte es einem mit den inneren Verhältnissen nicht vertrauten Beobachter vorkommen, wenn er die Verlautbarungen im jüngsten Streit um die Reform jenes Strafgesetz-Paragraphen liest, der bislang die "Abtötung einer Leibesfrucht" mit Strafen bis zu fünf Jahren für die schwangere Frau und bis zu zehn Jahren für den Arzt oder Kurpfuscher bedroht – ausnahmslos.

Null und nichtig

Nicht zum erstenmal hat das Bundesverfassungsgericht seinem Karlsruher Nachbarn, dem Bundesgerichtshof, die Verletzung von Grundrechten nachgewiesen.

Zeitspiegel

Die CSU, die noch vor kurzem im Bundestag dagegen wetterte, daß die Bundesregierung die DDR-Terminologie "Grundlagenvertrag" übernommen und die Bezeichnung "Grundvertrag" aufgegeben habe, ist offenbar mit sich selbst uneins.

Wider das Kartell der Kanalarbeiter

Aufgefordert, über Probleme der Fraktionsbildung in der SPD zu schreiben, tut man gut daran, sich so zu verhalten wie der Physiklehrer in Spoerls "Feuerzangenbowle".

In der SPD haben sich Gruppen mit eigenem politischen Profil gebildet. Ist dies Ausdruck selbstverständlicher Pluralität einer Volkspartei oder die Vorstufe zur Zersplitterung der Kräfte? Herbert Wehner und Joachim Steffen analysieren die Situation der SPD – ihre Chancen und Risiken.: Vor Zersplitterung wird gewarnt

Die SPD ist immer eine diskussionsfreudige Partei gewesen und muß es auch bleiben. Wenn alle 970 000 Mitglieder dieser Partei ständig und in allen Punkten einer Meinung wären, dann wäre das schrecklich, denn dann wäre mit der Partei etwas nicht in Ordnung.

SPD-Parteitag: Fast tausend Anträge

Christdemokratische Parteitage nehmen sich gegen sozialdemokratische aus wie ein 200-Meter-Sprint gegen einen Marathonlauf unter erschwerten Bedingungen.

Sowjetische Juden: Moskauer Morgengabe

Der Kreml hat sich eines Besseren belehren lassen: Zur Zeit praktiziert er nicht mehr die seit vergangenem August gültige Bestimmung, wonach auswanderungswillige Juden eine Art Kopfsteuer zu entrichten haben, ehe sie die Sowjetunion verlassen können.

Vietnam: Amerikas Abzug

Achtzehn Jahre, nachdem die ersten Militärberater der Vereinigten Staaten in Vietnam eingetroffen waren, begann am Dienstag der Abzug der letzten amerikanischen Truppen.

Irak drängt zum Persischen Golf

Der irakische Außenminister Baki hat am Dienstag territoriale Ansprüche seines Landes am Persischen Golf geltend gemacht. In einem Interview mit der libanesischen Zeitung An Nahar erklärte er: "Irak möchte ein Golfstaat werden – das ist der Kern des Grenzkonfliktes mit Kuwait.

Umstrittene Fristenlösung

Zu einem leidenschaftlichen Meinungskampf entwickelt sich das Vorhaben der SPD- und FDP-Fraktionen im Bundestag, die Schwangerschaftsunterbrechung in den ersten drei Monaten nach der Befruchtung straffrei zu lassen.

Dokumente der ZEIT: Grass – Angst vor Zugluft

"Wahrscheinlich ginge es uns besser, das heißt, die SPD würde die Sozialdemokratische Wählerinitiative auch nach der Wahl intensiver als Partner wahrnehmen, wenn es die CDU/CSU verstünde, als konstruktive Opposition die sozialliberale Koalition unter jenen Druck zu setzen, den sie, weiß Gott, verdient.

Jungsozialisten: Stamokap zur DKP

Der Wortführer der Frankfurter Stamokap-Gruppe unter den Jungsozialisten, Rainer Eckert, und 29 seiner Anhänger sind am Montag aus der SPD ausgetreten.

Panama-Kanal: Washingtons Veto

Mit einem Veto der Vereinigten Staaten – dem dritten seit Bestehen der Vereinten Nationen – endete am vorigen Donnerstag die diesjährige Auslands-Tagung des Weltsicherheitsrates in Panama ohne Ergebnis.

Geht der Trend nach rechts?

W er die Vereinigten Staaten nur im Abstand von drei bis vier Jahren besucht, erfährt unmittelbar den Schock des sich schnell wandelnden "Zeitgeistes" – das deutsche Wort, das in amerikanischen Publikationen am häufigsten vorkommt.

Taiwan: Zufluchtsinsel mit ungewisser Zukunft

Als politische Sensation werteten China-Experten in aller Welt Pekings Beschluß, in Washington ein Verbindungsbüro zu errichten, das alle Privilegien regulärer diplomatischer Vertretungen genießen und von einem Repräsentanten mit Botschafterrang geleitet werden wird.

Beziehung Peking-Washington: In delikater Mission

Wenige Berufungen durch Präsident Nixon haben so ungeteilten Beifall gefunden wie die des 75 Jahre alten Botschafters David Bruce zum Leiter des amerikanischen Verbindungsbüros in Peking, das Anfang Mai eröffnet werden soll.

Das "Monster" lärmt weiter

Rund 5000 hochofengeschädigte Bürger in Duisburg-Hamborn hatten ein Urteil erwartet und "keine Konzession auf Kosten unserer Gesundheit".

Lokalzeit: Möpse, wohin man sieht

Eine faszinierende Sammlung von rund 300 Möpsen aus Porzellan und Bronze, auf Bildern und Zeichnungen und in Buchbeschreibungen hat die Kustodin der Großherzoglichen Porzellansammlung in Darmstadt, Gudrun lügen, in einjähriger Arbeit zusammengestellt.

Der Schimmelreiter wird arbeitslos

Ein jahrhundertealtes, durch die Literatur geprägtes Vorurteil wurde jetzt endgültig durch ein technisches Vorbild widerlegt.

Baulandpreise: Wohnen – bald ein Luxus?

Der Deutsche Städtetag hat in der vergangenen Woche eine nur kleine (neun Seiten starke), aber brisante Dokumentation vorgelegt, die mit nüchternen Zahlen die Notwendigkeit einer Bodenrechtsreform belegt.

Stille nach dem Sturm

Die Rebellen aus Frankfurts Westend hatten, die Nacht nichtgeschlafen. Bis zum Morgengrauen waren umgekippte Autos als Barrikaden aufgestellt, Fenster und Türen des Hauses Kettenhofweg 51 mit Brettern vernagelt.

Deutsch-Elend

Als Beitrag zu dieser Diskussion will auch der Artikel von Professor Walther Killy verstanden sein. Killy war einer der ersten, die nach dem Kriege der deutschen Germanistik, und damit den Deutschlehrern, neue, vernünftige Wege zu weisen versuchten, heraus aus der verlogenen Ästhetik nationaler Selbstbeweihräucherung, hinein in die Logik der Texte und der weltweiten Kommunikation.

Ideologisches Konstrukt

Es ist nicht leicht, Germanist zu sein, und war es nie, auch nicht in den Zeiten des klassischen Oberlehrers oder Gymnasialprofessors oder in denjenigen, in welchen der Professor Rothe triumphal als Rektor der Berliner Universität seinen Kaiser zur Jubiläumsfeier empfing.

Berichte vom Tage

Der Plan des Frankfurter Oberbürgermeisters, die teuren Stadttheater einschließlich Oper zu schließen und statt dessen Leute, die partout ins Theater wollen, kostenlos nach München zu fliegen (was billiger sei), hat Schule gemacht.

Argumente für und gegen: Fremdwörter

Gerd Köster schreibt uns aus Osnabrück: "Nicht geehrte Redakteure und Redakteurinnen! Ich habe mich nach langdauernder Schreibfaulheit entschlossen, Ihnen diesen Brief zu schreiben.

Schweigen als Preis der Freiheit: Der widerspenstige Gefangene

Sinjawskij und Danielj sind als Menschen ebenso verschieden voneinander wie die Gestalten, die sie unter ihren Pseudonymen geschaffen haben, obwohl ihre Freundschaft bereits zwanzig Jahre alt ist und beide vor Gericht instinktiv – sie hatten sich nicht verständigen können – die gleiche Haltung einnahmen.

Ausstellung in Hannover: Die Ordnung der späteren Jahre

Im Nachhinein verwirren mir die Rezensenten die gehabten Tage: Sie schaukeln eine Wiege, in der ich nicht gelegen habe, zeichnen Wege in meine Wanderjahre, die ich nie gegangen bin, und legen mir ein Fleisch auf den Teller, das ich nicht mag.

Zeitmosaik

Zu seinem 70. Geburtstag wurde dem Mann, der von Kind an nichts als ein Schauspieler gewesen war, aber das Handwerk der Bühne dadurch beherrschen gelernt hatte wie kaum ein zweiter, der Adelstitel verliehen, und ein Gratulant nahm vorweg, was Dr.

Schallplatten

Antal Dorati und sein ungarisches Exil-Orchester haben sich so in das Haydnsche Idiom eingelebt, daß ihre Aufführungen mittlerweile einen stilistischen Standard setzen.

Film: Viscontis "Ludwig II": Wir sind nichts als Pomp

Schon vor Beginn der Dreharbeiten protestierten königstreue Bajuwaren gegen eine mögliche Verunglimpfung ihres "Kini"; bei einem Großbrand in Rom wurden die meisten der teuren Kostüme zerstört; die Boulevard-Gazetten jubelten, als bekannt wurde, daß die neue Romy die alte Sissi spielen würde; Paula Wessely, Oscar Werner und Alec Guinness, letzterer als Richard Wagner, sollten auch mitmachen, zogen sich jedoch alsbald wieder zurück; die Produktionskosten stiegen nach und nach von bescheidenen fünf auf spektakuläre zwölf Millionen Mark; und zu allem Überfluß erlitt der Regisseur während der Schnittarbeiten einen beinahe tödlichen Kreislaufkollaps.

Seichte Sehnsucht

Die Nostalgie, sehnsuchtsschweres Lieblingswort unserer Tage, hatte sich ins Sonntagsprogramm hineinemanzipiert, vorbei an Mutter Meysel und Konsorten.

Filmtips

"Harlis" von Robert Van Ackeren. "Der letzte Tango in Paris" von Bernardo Bertolucci (siehe ZEITmagazin Seite 6). "Der große Diktator" von Charles Chaplin.

Fernsehen: Ein Loch in der Tür

Man muß das Geständnis, das Fritz Lang im Sommer 1965 seinem Interviewer Peter Bogdanovich machte, nicht gar so ernst nehmen: "I saw it recently on television,.

Gedanken am Sonntagabend

In Ludwigshafen fand ein Frauenkongreß statt; Sozialdemokratinnen debattierten über Aktionsprogramm. (Der Plural klingt befremdlich, und das soll er auch: Wieso eigentlich haben die Frauen, im Gegensatz zu den Männern, kein Recht, ihre Kollektive zu feminisieren und die Mehrheit mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie die Einzahl für sich zu beanspruchen? Warum werden zwei Frauen, von denen jede sich als Sozialdemokratin oder Kommunistin oder was immer bezeichnet, im Plural entweder vermännlicht oder genötigt, zu Umschreibungen Zuflucht zu nehmen: Wir, als sozialdemokratische Frauen .

Kritik in Kürze

"Kehrseiten und andere Ansichten", Lyrik und Prosa von Volker W. Degener. Der Chirurg setzt das Seziermesser an: Von einem ehemaligen Briefträger nimmt er die Beine, von einem in Abstimmungen erprobten Politiker die Hände, von einem – möglichst würdevollen – Richter das Haupt; geschickt fügt er die Teile aneinander.

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