„Mehr als die Hälfte der Einwohner von Los Angeles können sich keine guten Einfamilienhäuser oder Wohnungen leisten. Auch mittelständische Familien haben Schwierigkeiten, eine anständige Unterkunft zu bezahlen, doch das ärgste Problem ist die völlig unzureichende Wohnungslage der Armen und der rassischen Minderheiten. Ihren erbärmlichen, überfüllten Wohnungen in den Elendsvierteln stehen einige der prachtvollsten Villen der Welt gegenüber...“

Aus einem Bericht von Calvin S. Hamilton, Direktor des Städtischen Planungsamtes von Los Angeles

Im San-Fernando-Tal, diesem reichen Vorort von Los Angeles, steht ein distinguiertes einstöckiges Haus – die Fassade aus roten Ziegeln, über dem vorhangbeschirmten eleganten Portal die Aufschrift „Pet Hotel“, Hotel für Haustiere. Links und rechts davor pflanzte man zwei Blumensträucher, doch die Aufmerksamkeit der Hunde ließ sie sehr rasch verkümmern, so daß man sie umzäunt hat, und in die Mitte, aber in sicherer Entfernung von den Gewächsen, stellte man einen roten Plastikhydranten – seitdem grünen wieder die beiden Sträucher.

Es gibt freilich in Kalifornien viele Heime für Hunde und Katzen, auch prachtvolle mit Swimming-pool, doch die Tiere sind im Freien meist angekettet und nachts in kleine, mehr oder weniger unbequeme Hütten gesperrt. Wie anders in diesem Luxushotel, dem ersten und einzigen nicht nur in Los Angeles, sondern in ganz Amerika. Jeder Hund, jede Katze hat eine Zweizimmerwohnung zur Verfügung: ein Wohn- und Spielzimmer und ein Schlafzimmer, wobei die Tür zwischen den beiden Tag und Nacht offen steht, und da das zentrale Luftheizungs- und Kühlungssystem für eine gleichmäßige Temperatur sorgt, kann der Gast im Falle einer schlaflosen Nacht in den Salon hinüberspazieren.

Das Foyer sieht kaum anders aus als in jedem guten Hotel. Hinter dem Rezeptionspult an der Wand sind die Fächer mit den Apartmentnummern, nur die Schlüssel fehlen. Hier stecken die Meldezettel mit Namen, Adresse und anderen Personalien sowohl des Gastes wie auch seines Besitzers. Daneben die täglich geführte „Report-Card“. – Stuhlgang: N (kein), OK (in Ordnung), S (dünn) oder D (Durchfall); Urin: OK oder N; Mahlzeiten: A (alle), S (einige), N (keine); Stimmung: F (mittelmäßig), G (gut), E (ausgezeichnet); Gesundheitszustand: OK oder X (besondere Bemerkungen mit roter Tinte).

Doch nicht nur Meldezettel und Tagesberichtkarte sind im Kästdien, sondern auch Briefe vom Besitzer: Ich hoffe, Du genießt Deinen Urlaub, fern von zu Hause. Und auch, daß Du ein guter, braver Junge bist. Du mußt Dein Futter essen, das ist sehr wichtig. Sage dem Manager, daß ich ihn ermächtige, Dich jederzeit mit nach Hause zu nehmen, wenn Du unglücklich bist. Viele Küsse – Deine Mutti. Die Briefe werden selbstverständlich dem Gast vorgelesen, und er ist so glücklich darüber, daß es ihm nicht im Traum einfällt, das Hotel auch nur zeitweilig zu verlassen.

Das Hotelmanagement ermutigt die Hunde- und Katzeneigentümer, so oft wie nur möglich Briefe zu schreiben: Sie erfüllen den gleichen Zweck wie die von den Gästen mitgebrachten Betten, Leinentücher, Decken oder auch nur der Fetzen alten Teppichs, die Lieblingsspielzeuge und Gummiknochen – ein Stück Familienatmosphäre und damit das Gefühl der Sicherheit. Auf Urlaub in der Ferne, aber doch von anvertrauten Dingen umgeben.