Am 13. November des vergangenen Jahres erlebte die Bundesrepublik die schwerste Sturmkatastrophe seit Menschengedenken. Allein die Forstschäden summierten sich auf 900 Millionen bis eine Milliarde Mark. Vor allem die niedersächsischen Waldbesitzer waren schwer getroffen. Schon am Tage nach diesem Unwetter – und wenige Tage vor der Bundestagswahl – wurden allseits großzügige und unbürokratische Hilfe versprochen.

Mittlerweile aber zeigt es sich, daß Großzügigkeit und Bürokratie schlecht zusammenpassen. Obwohl Käferfraß und Waldbrände den Schaden noch erheblich größer machen können, wenn das Wurfholz nicht schleunigst aufgeräumt wird, geschieht von Bonn aus so gut wie nichts. Der Ernährungsausschuß des Bundestages hat sich zwar dafür ausgesprochen, bescheidene 56 Millionen Mark bereitzustellen. Doch der Bundesfinanzminister läßt sich Zeit. Er meint, 15 Millionen Mark seien schließlich auch schon etwas und zögert so lange, daß der Haushaltsausschuß frühestens am 16. Mai beschließen kann.

Auch dann wird das Geld für den Abtransport des Holzes noch nicht gleich da sein. Man darf jetzt schon vermuten: Wenn, mit Bonner Hilfe, die ersten Baumstämme beiseitegeschafft werden, sind die nächsten Herbststürme nicht mehr fern – und der Schaden ist weiter gestiegen. pl