Von Ludwig Maaßen

Die Bedeutung von Rundfunk und Fernsehen ist einer größeren Öffentlichkeit in der Bundesrepublik erst spät bewußt geworden. Sicherlich hat diese ständige Zunahme an Empfängern alarmierend gewirkt: Heute gibt es in der Bundesrepublik über 17 Millionen Fernseh- und über 20 Millionen Rundfunkgeräte. Wurde bis in die späten 60er Jahre über Funk und Fernsehen vornehmlich in den Rundfunkgremien und bestenfalls noch in Landtagsausschüssen diskutiert, so änderte sich dieser Zustand Ende der 60er Jahre: Die Öffentlichkeit wurde aufmerksam, als verschiedene Kräfte darauf ausgingen, den in öffentlich-rechtlicher Verantwortung betriebenen Anstalten private Sender als Konkurrenz zur Seite zu stellen. In Bayern hat die CSU ihre Privatfunkambitionen überhaupt erst zu Beginn dieses Jahres aufgegeben – unter Druck der Öffentlichkeit, freilich nicht für immer und ewig, sondern lediglich auf „absehbare“ Zeit.

Bei den Diskussionen, auch in den Parlamenten, trat deutlich zutage, wie ungenau die Bundesbürger über die Organisation des Rundfunks Bescheid wissen, nicht zuletzt deshalb, weil es keine zusammenfassende Informationsschrift über den Rundfunk gab. Diese Lücke füllt nun ein Taschenbuch

Heiko Flottau: „Hörfunk und Fernsehen heute“; in: „Geschichte und Staat“, Band 164/165; Günter Olzog Verlag, München 1972; 294 S., 5,80 DM.

In knapper, gut lesbarer Form gibt Flottau zunächst einen historischen Überblick über die Entwicklung von Hörfunk und Fernsehen. Auch komplizierte technische Sachverhalte weiß er allgemeinverständlich zu beschreiben. Sein Blick auf die Organisationsformen des Auslandsfernsehens ist leider zu kurz ausgefallen, bis auf eine Ausnahme: Seine detaillierten Anmerkungen über das Fernsehen in den Vereinigten Staaten seien jedem Verfechter des kommerziellen Rundfunks nachdrücklich zur – abschreckenden – Lektüre empfohlen.

Flottaus Buch, in erster Linie für Hörer und Zuschauer geschrieben, reißt so ziemlich alle Medienprobleme an, auch Fragen der Wirkungsforschung, die Darstellung von Gewalttätigkeiten und die Werbesendungen. Es ist trotz oft nur marginaler Behandlung eine wertvolle Information und eine gute Einführung in die Problematik von Funk und Fernsehen.

Wissenschaftlichen Anspruch erhebt das Buch von