Neu in Museen und Galerien:

Berlin Bis zum 29, April, Bauhaus ArEine der besten Ausstellungen, die das BauhausArchiv bisher gemacht hat, nicht bloß der obligate Versuch, einem ziemlich vergessenen Mann späte Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Muches Werk, das hier nur partiell (Zeichnungen und Druckgraphik) vorgeführt wird, ist ein wichtiger Beitrag zur Bauhaus Diskussion, es demonstriert seine Widersprüchlichkeit, die latente Dialektik von metaphysischer Spekulation und Rationalität. Muche wird, mit Itten und Lothar Schreyer, zur Fraktion der Metaphysiker gerechnet, die gegen den kühlen Konstruktivismus von Moholy Nagy und seinen Gesinnungsfreunden opponierte und die These "Kunst und Technik — eine neue Einheit" strikt ablehnte. Muche hat damals tatsächlich daran gedacht, das Bauhaus zu verlassen und ins Kloster zu gehen. Aber er hat diesen Schritt nicht getan, obgleich er seine mystisch spritualistischen Neigungen nie ganz aufgegeben oder unterdrückt hat. Muche hat die Bauhaus Dialektik gewissermaßen in seine Arbeit eingebracht und in der Graphik ausgetragen. Und diese produktive Auseinandersetzung geht weiter, nachdem er sich 1927 vom Bauhaus getrennt hat, sie motiviert seine Arbeit bis zu den jüngsten Blättern, die 1972 und 1973 datiert sind. Aus dieser Widersprüchlichkeit resultiert die seltsam irritierende Faszination der Zeichnungen. Zu den rätselhaften Höhepunkten zählen die "Notizen zu einem Roman", die bereits 1921 einsetzen und bis ins Jahr 1948 reichen, mit Kapitelüberschriften wie "Eingefangen — Flucht — Überfall — In Finsternis gesperrt", Blätter, in denen verschlüsselte Symbolik mit realistischer Reportage koinzidieren, die den Betrachter animieren, den Roman zu den vorhandenen Zeichnungen selber zu konzipieren. Ein später Zyklus, erst 1963 angefangen, heißt "Nemisee Auge der Diana", ein phantastischer Versuch, die reale Landschaft in formale Strukturen zu transzendieren. Mit seinen letzten Zeichnungen schließlich begibt sich Muche auf ein Terrain, das seinen mystischen Intentionen total konträr ist. Er reagiert auf aktuelle politische Ereignisse. Er zeichnet "eines der tausend Gräber — Bangla Desh" und den "fahlen Schein des Friedens" in Vietnam, er beschreibt das Geschehen unrealistisch, aber mit ungeheurer graphischer Prägnanz und eindeutiger Stellungnahme. Der Weg des einstigen Bauhaus Meisters endet bei der engagierten Kunst. Köln Bis zum 30. April, Galerie OnOnnasch zeigt zwei Environments von Kienholz, die man in Deutschland noch nicht gesehen hat. nachgebaute Wohnstube, Mittelstandsgemütlichkeit, grünes Sofa, Plüsch, Teakholz, und davor der Fernseh Grabstein aus :

Beton, auf dem Bildschirm sind die 11 Uhr Spätnachrichten eingefroren, die Statistik der Toten und Verwundeten in Vietnam. Kienholz hat damit ein weiteres Mal seinen Protest gegen die Gewöhnung artikuliert, durch die das Brutale; alltäglich und mühelos konsumierbar wird. Die zweite Arbeit, "The tadfole tober 1972, ist in ihren Intentionen weniger deutlich. Der offene Flügel ist in ein Aquarium terwandelt, der Gips- und Fiberglasabguß einer schwangeren Frau liegt auf der Tastatur. Der Betrachter kann das Objekt surrealistisch verstehen (als das Zusammentreffen von Dingen, die nichts miteinander zu tun haben und nichts anderes als den psychischen Schock auslösen sollen) oder auch sozialkritisch (ein Plädoyer für die rigorose Freigabe der Abtreibung), mit Sicherheit ist das n:cht zu ermitteln. Gottfried Seih Wichtige Ausstellungen:

Berlin Bis zum 6. Mai, Haus am WaldEine hervorragende Obersicht über eine wichtige Phase der europäischen Nachkriegsmalerei, rnit einer kommentierenden Dokumentation der Zeitgeschichte (vorher in Leverkusen).

Düsseldorf Bis zum 22. April, Städtische Diese vom Eindhovener Van Abbe Museum übernommene Photodokumentation möchte Bürgerinitiativen "Rettet Eure Straße" anregen, indem