Darmstadt

Eine faszinierende Sammlung von rund 300 Möpsen aus Porzellan und Bronze, auf Bildern und Zeichnungen und in Buchbeschreibungen hat die Kustodin der Großherzoglichen Porzellansammlung in Darmstadt, Gudrun lügen, in einjähriger Arbeit zusammengestellt. Über 47 Leihgeber aus zahlreichen Ländern Europas, darunter auch der sowjetische Botschafter in Bonn, Falin, haben Möpse zur Verfügung gestellt. Die Ausstellung steht unter dem Motto „Mopsiade – Möpse aus drei Jahrhunderten“.

Der Besucher wird bereits am Eingang des Darmstädter Schloßmuseums, wo die Ausstellung bis zum 15. April zu sehen ist, durch einen Mops-Wegweiser des Offenbacher Professors Scheinpflug auf die Sammlung hingewiesen. Zwei monumentale Bronzemöpse (um 1600 gegossen) begrüßen den Hundefreund im Ausstellungssaal. Im Mittelpunkt stehen Porzellanmöpse in allen nur denkbaren Variationen, von den berühmten Kaentler-Möpsen aus Meißen um 1740 über grimmig aussehende Pfeifenköpfe bis zum Mops mit eingebauter Uhr. Daneben gibt es zahlreiche Reproduktionen berühmter Gemälde mit Möpsen, darunter von Goya und William Hogarth, dem englischen Maler des 18. Jahrhunderts.

Weitere Reproduktionen stammen aus der Mopsgalerie im Schloß Gripsholm. Neben der Gräfin Hohenstein und der Schwester Friedrich des Großen, Fridericke, sind besonders ein Eigenbildnis von Hogarth, das ihn mit Mopsfüßen darstellt, und ein kleines Bild des Prinzen Heinrich von Hessen, das die „Geburt des Mopses“ zeigt, sehenswert. Ein weiteres Bild aus dem Victoria and Albert-Museum in London zeigt 14 Möpse bei einer Mopsparty, die um 1850 von einem Lord gegeben wurde. Weiter sind Georg IV von England und Hannover auf dem Schlachtfeld von Waterloo mit einem Mops und ein Familienbildnis der Landgrafen von Hessen-Kassel, mit einem winzigen Mops, zu sehen.

Der Mitbegründer des Simplicissimus, Thomas Theodor Heine, der den Mops ursprünglich als Titelfigur seines Blattes auserkoren hatte, dieses Projekt aber zugunsten der mehr „aggressiveren“ Dogge aufgegeben hatte, ist mit zahlreichen Zeichnungen vertreten. Heine bezeichnete den Mops einmal als das Symbol des braven Bürgers – eine Zeichnung stellt Bismarck mit seinem Mops dar.

Einen wichtigen Platz in der Ausstellung nehmen die Hinweise auf die Mops-Logen ein, die die Freimaurer im 18. Jahrhundert nach dem Verbot ihrer Gemeinschaft durch den Papst als Tarnung gegründet hatten. Die erste Mops-Loge wurde von dem Kölner Kurfürsten Clemens August ins Leben gerufen; mit Genehmigung des Papstes, da dieser den Mops als harmloses Tier ansah. Die Mitglieder der Loge, zu der übrigens auch Damen Zutritt hatten (es war die einzige Loge außer der Rebekka-Loge der Odd Fellows, die Frauen die Mitgliedschaft erlaubte) nannten sich statt Meister und Meisterin Mops und Möpsin. Der Großmeister der Loge war der Obermops. In dem ebenfalls ausgestellten Buch „Le Secret des Mopses“ ist die Geschichte des Mopsordens beschrieben (und auch sein Verrat durch die Damen). Neben den zahlreichen Porzellanmöpsen hat Gudrun lügen Stockgriffe mit Möpsen, Kettchen mit Möpsen als Bijou, Riechfläschchen und Bonbonnieren sowie einen winzigen Fingerhut mit Mopsmotiv ausgestellt.

Übrigens kann man hier auch lernen, daß die Möpse nicht immer so fett waren wie die heutigen. Als im 18. Jahrhundert die ersten dieser Hunde, eine Mischung aus Dogge, Boxer und Pekinese, von der ostindischen Kompagnie nach Europa gebracht wurden, waren sie wesentlich zierlicher. Sie waren besonders bei der höfischen Damenwelt als Schoß- und Jagdhunde beliebt. Schon Dschingis Khan soll mit einem Mops zur Jagd gegangen sein...