Mehr Spielplätze, mehr Ferienpässe – mit verschiedenen Aktionen will Hamburg den Kindern größere Aufmerksamkeit schenken

Hamburg hat sich vor kurzem eine neue Art von Stadtwerbung einfallen lassen: „Stadt mit Herz für Kinder“. Rechtzeitig zur Internationalen Gartenbau-Ausstellung, die am 27. April eröffnet wird, wurden Tausende von kleinen Aufklebern ausgegeben, die die frohe Botschaft in die dunkelsten Treppenhäuser, an die kahlsten Hauswände und in die ödesten Hinterhöfe tragen sollen. Autopiaketten sollen den Slogan auch im Lande populär machen und Informationsbroschüren unter der Bevölkerung für das werben, was man nicht allein mit Geld kaufen kann: Liebe und Zärtlichkeit, Schutz und Spaß für das Großstadtkind.

Das geht natürlich nicht ohne Geld. So wurde eigens eine Stiftung ins Leben gerufen, die die Bürgerinitiativen finanziell unterstützen soll. Sport- und Theaterprominenz werden mit der Klingelbüchse auf die Straße gehen und Gelder sammeln. Daneben ist ein umfangreiches Programm geplant. Die Pforten der Museen werden sich öffnen und „Spielzeug von gestern“ präsentieren. Über den Kinderfeind Nummer eins, das Auto, soll in verstärktem Maße informiert werden. Die „Häuser der offenen Tür“ machen ihre Türen noch offener und stellen selbstgebasteltes Spielzeug aus. Eltern und Erzieher werden dazu aufgerufen, häufiger mit den Kindern zu spielen, Buchhändler zur Ausstellung von Kinderbüchern und Bürger zur Übernahme von Vormundschaften angeregt, Unternehmen zur Spendenkasse gebeten und jeder, der Baumaterial hat, aufgefordert, es für Kinderspielplätze zu stiften. Polizei und Feuerwehr absolvieren ihre Übungen vor den Augen der Kinder und berufstätige Eltern sollen ihre Junioren an einem Nachmittag mal an den Arbeitsplatz mitnehmen dürfen.

Allein, mit Anregungen und Bürgerinitiative läßt sich eine Stadt noch nicht kinderfreundlich machen. Um also zu zeigen, daß es sich bei der Aktion um keine herzrührige Heimatwerbung handelt, ist der Hamburger Senat selbst mit gutem Beispiel vorangegangen. Im Jahre 1973 werden 18 statt wie bisher nur 10 neue Tagesheime gebaut, die Gelder für Jugendklubs und

Kindergärten von Kirchen: und Wohlfahrtsverbänden werden nahezu verdoppelt, darüber hinaus wurden 70 Tagespflegestellen bei privaten Familien für Kinder berufstätiger-Eltern eingerichtet und ein Zuschuß für die Durchführung von Ferienlagern gewährt. Schließlich bietet der Senat einen Kinder-Ferienpaß an, mit dem die 6- bis 15jährigen im Frühjahr und Sommer nicht nur verbilligt U-Bahn fahren und in die Schwimmbäder gehen, sondern in diesem Jahr auch die IGA besuchen können. Der Katalog der guten Taten atmet den Geist hanseatischer Großzügigkeit.

Allerdings geht es bei der jetzt anlaufenden Aktion nicht immer nur um Kinder, sondern auch um Erwachsene und ihre Interessen. Mit der geplanten Ausstellung „Mustereinrichtungen für Kinderzimmer“ wird in erster Linie das Kind als Konsument angesprochen. Und die Initiative „Praktische Kinderkleidung“ ist selbst ein sehr praktisches Mäntelchen, unter dem sich handfeste ökonomische Interessen der Hersteller verbergen.

Auch der Bau einer Gelände-Übungsstrecke für jugendliche Motorradfahrer und die Einrichtung von Jugendzentren für Schwerathletik zeigt, daß es hier um mehr als Spaß am Sport geht. Die Jugendlichen sollen sich mit ihren Maschinen austoben oder kiloweise Eisen stemmen, um überschüssige Kraft loszuwerden.