Rund 5400 von insgesamt 43 000 Tankstellen verkaufen markenfreies Benzin. In den letzten zehn Jahren konnten sie ihren Anteil am Treibstoff-Verkauf auf 22 Prozent ausweiten. In den vergangenen Wochen hat sich der Preisunterschied gegenüber den Marken-Kraftstoffen auf einige Pfennige vermindert. Soll den Freien der Garaus gemacht werden?

  • Von dem früheren Preisvorsprung der Freien Tankstellen gegenüber den Konzernen ist nicht mehr viel übrig geblieben. Wie läßt sich die derzeitige Preisentwicklung erklären?

Tillmann: Die derzeitige Situation hat mehrere Ursachen. Da ist einmal das Problem der Energieverknappung. Es wird von den arabischen Öllieferanten zu Preiserhöhungen ausgenutzt. Bei den Industrieländern entspricht zweitens die Raffinerie-Kapazität nicht der Nachfrage. Dies sind langfristige Faktoren, die den Preis für Benzin nach oben beeinflussen. Kurzfristig ist die Situation dadurch gekennzeichnet, daß die Raffinerien in Europa die Heizölproduktion wegen zu geringer Nachfrage gedrosselt haben, damit aber auch die Benzinproduktion, die praktisch ein Abfallprodukt der Heizölherstellung ist. Benzin, das nicht über die Konzern-Tankstellen abgesetzt werden kann, sondern auf dem freien Markt verkauft wird, ist dadurch knapp.

  • Aber es gibt doch auch die Möglichkeit, von ausländischen Raffinerien Benzin zu importieren?

Tillmann: Sicher, diese Möglichkeit gibt es auch heute noch. Nur, inzwischen haben wir in Deutschland das Bleigesetz, nachdem nur niedrig verbleites Benzin verkauft werden darf. Ähnliche Gesetze gibt es noch nicht für Holland, Belgien und Frankreich, und folglich entspricht das dort produzierte Benzin nicht unseren Qualitätsanforderungen. All diese Gründe verzerren den Wettbewerb ganz erheblich. Das Angebot ist nicht mehr so üppig.

  • Halten Sie es für möglich, daß die großen Mineralölkonzerne die Einführung des Bleigesetzes forciert haben, um dadurch den Preiswettbewerb mit der freien Konkurrenz zu verschärfen?

Tillmann: Das kann ich mir nicht vorstellen. Zudem glaube ich nicht, daß sich Minister Genscher von den internationalen Ölkonzernen Gesetze vorschreiben läßt.