Von Michael Jungblut

In Kalifornien beschlossen 150 Stahlwerker, die japanische Herausforderung anzunehmen. Als die Konzernleitung im vergangenen Oktober das Röhrenwerk von Kaiser Steel in Fontana stillegen wollte, weil seine Produkte der fernöstlichen Konkurrenz im Preis hoffnungslos unterlegen waren, bat die Belegschaft das Management, ihr noch eine Chance zu geben.

Die Bosse waren bereit, die Schließung zu verschieben und einige organisatorische und technische Vorschläge der Arbeiter zu akzeptieren.

  • Kleine Änderungen in der Anordnung der Maschinen ermöglichen seither einen flüssigeren Arbeitsablauf.
  • Durch Korrekturen am Produktionsplan sorgte die Belegschaft dafür, daß nicht ständig ein Teil der Anlagen stillsteht, während auf anderen Rohre unterschiedlicher Größe gefertigt werden müssen.
  • Zwei Arbeiter an einer für den gesamten Produktionsablauf wichtigen Stelle, die bisher relativ schlecht bezahlt wurden, erhielten eine angemessene Lohnerhöhung.
  • Die Arbeiter überholten Maschinen, deren Reparatur sie seit langem gefordert hatten. Instandhaltungsarbeiten, die früher eine Woche benötigten, werden heute an einem Tag erledigt.

Der Erfolg des Experiments ist verblüffend. Seit die Belegschaft an der Gestaltung des Arbeitsablaufs mitwirkt, fiel der Ausschußanteil an der Gesamtproduktion von 29 auf 9 Prozent. Die Produktivität dagegen stieg allein in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres um mehr als 32 Prozent – angesichts der geringen zusätzlichen Kosten und im Vergleich zu den mageren vier Prozent, die die gesamte US-Industrie 1972 verbuchte, ein beachtliches Ergebnis.

„Die Tatsache, daß ihre Vorschläge und Ideen endlich ernst genommen wurden, hat den Leuten einen enormen Auftrieb gegeben“, erklärt ein Gewerkschaftsvertreter diese Leistung. „Die hatten das ewige Gerede satt, daß die Japaner einfach alles besser machen.“

Die Männer von Fontana hatten dennoch zunächst nur eine geringe Chance, den Preiskrieg zu gewinnen und ihre Arbeitsplätze zu retten. Die Lohnkosten betragen nur ein Neuntel der Gesamtkosten. Trotz aller Anstrengungen konnte der Preis des Endproduktes deshalb bisher nur um elf Dollar je Tonne gesenkt werden. Als der Stillegungsbeschluß gefaßt wurde, boten die Japaner ihre Rohre aber zu 240 Dollar an, in Fontana dagegen konnte man sie nicht unter 300 Dollar je Tonne auf den Markt bringen. Inzwischen hat sieh allerdings durch den weltweiten Stahlboom und die Aufwertung des Yen die Situation für die kalifornischen Röhrenzieher verbessert.