Ob sie ihren Betrieb über die Krise hinwegretten oder nicht – das Experiment von Fontana wird Manager, Politiker und Wissenschaftler in den USA noch lange beschäftigen. Zeigt sich hier ein Weg, wie die gegenwärtige Krise am Arbeitsplatz gelöst werden kann?

Das Desinteresse und die Unlust, mit denen eine ständig wachsende Zahl von Amerikanern ihrem Job nachgehen, droht nämlich zu einer ernsten Gefahr für die industrielle Entwicklung zu werden. Der blue-collar blues, der Trübsinn am Arbeitsplatz, läßt die Produktivität nur noch langsam steigen. Der wachsende Widerstand gegen die Monotonie der-täglichen Arbeit äußert sich in hohen Kündigungsraten, häufigem Krankfeiern, unentschuldigtem Fernbleiben (in der Automobilindustrie stieg die Abwesenheitsquote in den letzten zehn Jahren um 100 Prozent), höheren Fehlerquoten und immer öfter auch in wilden Streiks und sinnlosen Sabotageakten.

"Es wäre naiv und dumm, wenn das Management das wachsende öffentliche Interesse an der Qualität des Lebens am Arbeitsplatz ignorieren würde", erkannte Richard C. Gerstenberg von General Motors, Chef des größten Unternehmens der Welt.

Kampf dem Fließband

Die Automobilindustrie ist nicht nur die Wege, sondern auch heute noch die Hochburg der Fließbandarbeit. Das jüngste und modernste Werk von General Motors, die Vega-Fabrik in Lordstown (Ohio), wurde zum Symbol des Aufstandes gegen die Tretmühle. Kaum waren die Bänder angelaufen, kam es zu Auseinandersetzungen mit der Belegschaft. Obwohl GM-Chef Gerstenberg gern vorrechnet, daß die "Erbauer unserer Autos besser bezahlt werden als die Lehrer unserer Kinder" und das Management nicht müde wird zu versichern, daß die Vega-Fließbänder nicht schneller laufen als in anderen Werken des Konzerns, brachen immer wieder wilde Streiks aus. Sabotageakte lähmten die Produktion. Zahlreiche Autos verließen das Band mit zerschlagener Windschutzscheibe, aufgeschlitzten Polstern und anderen Defekten.

Auch wenn in anderen Betrieben und Unternehmen die Rebellion gegen die Langeweile und das Roboterdasein noch nicht so krasse Formen angenommen hat, verfolgen die US-Manager die Entwicklung mit zunehmender Sorge. Humanisierung der Arbeitswelt ist deshalb in den USA längst keine Parole utopischer Weltverbesserer mehr, sondern gilt bei einer wachsenden Zahl hart rechnender Businessmen als ein bedeutendes – wenn nicht gar schon als das entscheidende – Mittel zur Steigerung der Produktivität. Sentimen lität ist dabei nicht gefragt. "wenn wir das Ergebnis nicht in Dollar messen können, haben derartige Programme für uns wenig Sinn", erklärte ein Vertreter von Chrysler. Noch ist die Unsicherheit über die richtigen Methoden allerdings groß.

Zu einer Konferenz über Möglichkeiten zur Verbesserung des Lebens am Arbeitsplatz erschienen kürzlich in Chicago Vertreter von zweihundert Unternehmen aus allen Teilen der USA, darunter aus Großunternehmen wie Chrysler, General Foods oder General Mills. Der Veranstalter der Tagung ist überzeugt: "Vor fünf oder sogar noch vor zwei Jahren hätten sich nicht mehr als zehn Gesellschaften an einer solchen Diskussion beteiligt."