All die an einen Glaubenskrieg grenzende Aufregung, der Hader der Parteien und die Begehrlichkeit derjenigen, die sich Hoffnung auf eine Konzession machen, wären eines besseren Zieles wert gewesen. Nach jahrelangem Tauziehen wurde jetzt entschieden, daß West-Berlin bekommen soll, was Travemünde und Wiesbaden schon längst haben: ein Spielkasino.

Insbesondere die Berliner FDP, die zwecks Vergrößerung der städtischen Grünflächen auch die Idee produziert hatte, Gärten auf Hochhausdächern anzulegen, machte sich für eine Spielbank stark. Ihr Vorschlag, von der SPD ein wenig abgeändert, fand jetzt eine Mehrheit im zuständigen Innenausschuß des Abgeordnetenhauses. Danach soll die Spielbank von einer privaten Trägergruppe finanziert werden, und sie soll der Stadt kein Geld kosten. Von den Brutto-Spieleinnahmen sollen 80 Prozent der Stadt zufließen; steigen sie über sieben Millionen Mark, dann soll eine zusätzliche Ergänzungsabgabe erhoben werden.

Die CDU, deren Abgeordneter Zellermayer Chef der Berliner. Gastwirteinnung ist, wollte auch ein Scherflein beitragen und forderte, daß dem Kasino möglichst ein Revuetheater angegliedert werden soll. An Kunden wird es der Spielbank nicht mangeln. Berlin ist vielen Touristen eine Reise wert, und auch in der Stadt selbst wohnen genug Leute, die zuviel Geld haben. Eine spürbare Entlastung für den Berliner Haushalt werden die Einnahmen der Spielbank aber kaum sein. All dies hat man seit langem gewußt. Doch warum soll das Berliner Abgeordnetenhaus schneller arbeiten und großzügiger sein als ein Provinzparlament? jn