Von Dieter Bachmann

In der eben erschienenen Nummer 37/38 der Grazer literarischen Zeitschrift „manuskripte“ stehen „Texte zum amtlichen Verzeichnis der Ortsnetzkennzahlen für den Selbstwählferndienst“.

In einem dieser Texte telephoniert der Autor mit dem Papst: „Papst: Quisquis parla? Ich: Ego. Scriptor francfortiensis sum. Papst: Quidquid scribisne? Ich: Habebo scriptum librum cuius nomen est Alois, alterum cuius nomen est Merla in piova in hortu, tertium cuius nomen est Normalis nostalgiaque. Papst: Interessantissime!“

Der Papst hat recht; allerdings muß er nach einem Trinkfest mit dem Scriptor francfortiensis gen Himmel fahren, weil er nicht trinkfest genug ist – dem Leser bleibt Urs Widmers Bibliographie: der Hinweis auf die beiden schmalen Erzählungsbände „Alois“ (1968) und „Die Amsel im Regen im Garten“ (1971) und auf sein drittes und wichtigstes Buch –

Urs Widmer: „Das Normale und die Sehnsucht“, Essays und Geschichten; Diogenes Taschenbuch 39, Diogenes Verlag, Zürich; 116 S., 6,80 DM.

Selbstverständlich ist das Gespräch mit dem Papst eine Phantasmagorie, wie alles, was Widmer mehr erträumt als erzählt: Kammerjungfern, junge Grafen, erbleichende Komtessen; der Elefant Babar und der Bilderbuchvogel Globi; Jim Strong, Jerry Cotton, Harry Dickson und der alte Sherlock Holmes, Wüsten in Arizona; Urwälder mit Lianen und Papageien; Gebirge mit Gletschern und schönen Naturkatastrophen; ein Coupé in der transsibirischen Eisenbahn,