Von John Somerville

Es gibt im heutigen amerikanischen Leben eine Unzahl von tückischen Vokabeln, eine ganze Sprache von magischer Gewalt. Hervorstechende Beispiele von zentraler Bedeutung sind Begriffe wie „Freiheit“, „die freie Welt“, „unamerikanische Tätigkeit“, „Umsturz“. In jedem dieser Fälle wird das Wort auf verschiedene Weise in eine tödliche Waffe verwandelt. Freiheit ist das älteste Wort, älter als Amerika, und es hat seine magische Macht bereits in der Alten Welt bewiesen. „Wir sind eine freie Stadt“, sagte Perikles von Athen in seiner berühmten Rede, und Generationen von Gelehrten haben Loblieder auf die Freiheit der Athener gesungen, wobei sie vergaßen, daß in Athen die größte Klasse aus Sklaven bestand, die am offenen Markt gekauft und verkauft wurden.

Die besondere Magie des Wortes „Freiheit“ liegt darin, daß sein schöner Klang die Leute hindert, ihren gesunden Menschenverstand zu gebrauchen. Es ist wahrlich ein betörendes Wort. Es ist tatsächlich so betörend, daß Millionen von Menschen es täglich korrekt in Übereinstimmung mit seiner tatsächlichen schlichten, prosaischen, ja sogar negativen Bedeutung gebrauchen und gleichzeitig in ihrem Bewußtsein ein leuchtendes, romantisches Bild davon bewahren, welches in völligem Gegensatz zu der Wirklichkeit steht, mit der sie täglich auf höchst vertrautem Fuß stehen. Dies ist reine Zauberei, aber sie klappt.

Vielleicht erkennen wir die Wirkungsweise dieses Vorgangs am besten, wenn wir uns vor Augen halten, in welchem Sinn wir tagtäglich die Wörter „frei“ und „Freiheit“ gebrauchen. Fünf beliebige Beispiele sollen genügen.

1. Wir fragen, ob es etwas kostet, und jemand sagt: „Eintritt frei.“

2. Wir haben allergische Beschwerden, und der Arzt sagt: „Sie müssen in einem Raum arbeiten, der frei von Staub ist.“

3. Wir lesen in einer Zeitung: „Der Wahnsinnige erlangte die Freiheit, indem er aus dem Fenster des Gefängniskrankenhauses sprang.“