Deutschlands Unternehmer sind besser als ihr Ruf. Zu diesem Schluß kommt jedenfalls eine Studie der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA). Die Fragestellung: Wer ist schuld daran, daß innerhalb eines Jahres (Dezember 1971 bis Dezember 1972) der Preisindex für die Lebenshaltung um 6,5 Prozent steigen konnte?

So errechnete der BDA für „Waren und Dienstleistungen mit administrativ bedingten Preisen“ eine Erhöhung von 8,9 Prozent. Die Preissteigerung für die vergleichbare Gruppe „Waren und Dienstleistungen mit freier Preisbildung“ wird in der Untersuchung nicht geliefert. Sie muß mühsam aus zwei Werten ermittelt werden: Für Dienstleistungen und Waren mit freier Preisbildung werden die Prozentangaben einzeln ausgewiesen. Ergebnis: Mit einer Preissteigerung bei Waren mit freier Preisbildung von nur 4,7 Prozent tragen die Unternehmer die Schlußlaterne in der Preisstatistik. Doch bei der Preissteigerung für Dienstleistungen mit freier Preisbildung liegt auch das private Unternehmertum über der durchschnittlichen Steigerungsrate: Dienstleistungen mit freier Preisbildung wurden um 7,1 Prozent teurer.

Kein Wunder, daß in der Untersuchung mit Verständnis darauf hingewiesen wird, daß-auch bei den administrativ bedingten Preiserhöhungen in erster Linie der Kostenanstieg, „insbesondere“ die Lohnkosten maßgebend waren.

Dennoch wagt der BDA eine mutige Schlußfolgerung: „Der in der Öffentlichkeit vielfach bewußt erzeugte Eindruck, der ... Preisauftrieb sei auf übermäßiges Gewinnstreben der Unternehmer zurückzuführen, ist nicht haltbar.“

Diese Schlußfolgerung ist allerdings nicht ohne weiteres nachzuvollziehen. Entscheidend für den Einfluß der Preiserhöhungen der einzelnen Gruppen ist ihre unterschiedliche Bedeutung für den Warenkorb; des Verbrauchers. Nach dieser Rechnung kommt auch der BDA zu einem anderen Ergebnis: Während der Anteil der Waren und Dienstleistungen mit administrativen Preisen an der Preissteigerung 16,4 Prozent beträgt, sind Waren und Dienstleistungen mit freier Preisbildung an der Verteuerung des Warenkorbes mit insgesamt 38 Prozent beteiligt. Der Rest entfällt auf Mieten und Nahrungsmittel. kde