Island, das nördlichste europäische Territorium, kommt nicht aus den Schlagzeilen. Der Fischereikrieg in der erweiterten Hoheitszone um die Insel wird nach wie vor recht handgreiflich ausgetragen. Anfang April wollen sich die Beteiligten endlich an den Verhandlungstisch setzen und den Versuch unternehmen, die fischreichen isländischen Gewässer gerecht zu verteilen. Spektakulärer waren die Bilder vom Vulkanausbruch auf der Westmänner Insel Heimaey. Der Vulkan spuckt immer noch mit unheimlichem Getöse rotglühende Lava, übelriechenden Qualm und schwarze Asche über das verlassene Fischerstädtchen, in dem sich Arbeitskommandos mit fast sinnlos erscheinenden Aufräumungsarbeiten abmühen, und die Geologen rätseln, was der speiende Berg noch vorhaben könnte.

Doch weder der Fischereikrieg noch der Vulkan sind dem Tourismus hinderlich. Im Gegenteil: Wer sich beispielsweise eine Sondergenehmigung besorgt (Auskunft beim Isländischen Touristenverband in Reykjavik), kann mit dem Flugzeug auf die Insel Heimaey fliegen, um das unheimliche Naturschauspiel selbst zu sehen und dabei ein wenig das Fürchten zu lernen.

Doch ganz unabhängig von Heimaey bietet Island dem interessierten Touristen geologischen Anschauungsunterricht auf Schritt und Tritt. Schon auf der Busfahrt vom internationalen Flughafen Keflavik zum 50 Kilometer entfernten Reykjavik sieht man nichts als graues, kaum bewachsenes Lavagestein. Der erste Eindruck bestätigt sich während des weiteren Aufenthalts: Island hat kaum Bäume, bestenfalls um manche Höfe und Häuser herum bemüht man sich, kleine Gehölze aufzuforsten.

Schmucklos und nüchtern wirkt deshalb auch die Hauptstadt Reykjavik. In wenigen Jahren stieg ihre Einwohnerzahl auf fast 90 000 Menschen an. Proper, aber eintönig wachsen überall gesichtslose Wohnblöcke, aus der kargen Erde. Lustig sieht Reykjavik nur von oben aus: Eine unorganisierte Versammlung bunter Dächer, hingestreut auf flacher Ebene, zwischen der weiten Meeresbucht und den in der Ferne glänzenden schneebedeckten Bergen. Den besten und billigsten Aussichtspunkt in der Stadt hat man bei den Wassertanks auf einem Hügel in der Nähe des Hotels Loftleidir. Dabei erfährt der staunende Mitteleuropäer, der in den Tanks umweltverpestejjdes öl vermutet, daß ma, hier heißes Wasser speichert, das zehn Kilometer von Reykjavik entfernt mit einer Temperatur von 85 Grad aus der Rüde gepumpt wird. Diesesheiße Wasser versorgt die Heizungen in den Häusern und erledigt auch, das Problem Warmwasserverbrauch ganz nebenbei (Für das Trinkwasser hat man übrigens ein paar glasklare Quellen erschlossen ) Duschen unter herrlichem weichem, freilich etwas schwefelig riechendem Wasser war noch nie so schon, noch nie so köstlich ein Trunk aus der Wasserleitung.

Reykjavik ist Ausgangspunkt für die verschiedenen touristischen Aktivitäten in Island, sei es, man hat auf einem Amerikaflug ein paar Tage stop over gebucht, sei es, man will hier einen längeren Urlaub verbringen. Eilige können entweder an einer der täglichen Busfahrten zu allen sehenswerten Naturschönheiten der Insel teilnehmen, oder sie buchen bei Icelandair einen Platz in einer der altbewährten Fokker FriendshipMaschinen, die hurtig zwölf verschiedene Städte und Orte vorführen. Etwas beschaulicher sind Schiffsreisen rund um die Insel. Sie dauern sieben Tage, und die Küstendampfer fahren dabei alle Fjorde und besiedelten Orte an.

Das normale Touristentransportmittel auf Island ist freilich der Omnibus. Bis zu zwei Wochen dauern die organisierten Rundfahrten. Es gibt dafür mehrere einleuchtende Gründe. Erstens: Island hat keine Eisenbahn. Zweitens: Island ist dünn besiedelt, die Straßen sind außer in unmittelbarer Nähe von Reykjavik nicht asphaltiert, die Beschilderung ist spärlich. Drittens: Man findet an den Straßen nur selten ein Restaurant oder eine Unterkunft. Es gehört also schon etwas Mut dazu und bedarf eingehender Vorbereitung, sich einen Wagen zu leihen und damit auf eigene Faust loszufahren. In Island kann man noch verlorengehen. Abgesehen davon sind dem individuellen Urlaub keine Grenzen gesetzt: Im Landesinnern gibt es natürlich genügend Hotel- und Privatzimmer, und Camping ist überall erlaubt, außer in den Nationalparks.

Unter dem Slogan "Island Safari" hat twentours international (tti) im letzten Jahr zum erstenmal ein Islandprogramm für junge Leute angeboten. Für 1350 Mark wird dabei folgendes geboten: Flug von Hamburg über Kopenhagen nach Keflavik, drei Übernachtungen mit Frühstück im Hotel Loftleidir in Reykjavik, eine zwölftägige Safari in geländegängigen Bussen (geschickte Fahrer inbegrifferi, ebenso Reiseleiter). Man schläft in Zelten, ein Verpflegungswagen folgt und sorgt für das leibliche Wohl der Teilnehmer.