Bonn

Der Deutsche Städtetag hat in der vergangenen Woche eine nur kleine (neun Seiten starke), aber brisante Dokumentation vorgelegt, die mit nüchternen Zahlen die Notwendigkeit einer Bodenrechtsreform belegt. Die Baulandpreise haben in den vergangenen zehn Jahren eine für Besitzer erfreuliche, für Käufer schmerzliche Entwicklung durchgemacht. Wenn Mitte 1960 für alle Kosten und Einkommen der Index 100 angesetzt wird, dann waren gut zehn Jahre später die Baupreise etwa auf 190 geklettert, die Einkommen auf 250, die Baulandpreise aber auf 525. Und die Preise steigen weiter.

An 18 ausgewählten Gemeinden hat der Städtetag nachgewiesen, daß die Kommunen Einfluß auf die Preisgestaltung nehmen können – großen bei Verkäufen städtischer Grundstücke, geringeren bei Aufkauf. Doch mangels ausreichenden Eigenbesitzes und immer geringer werdender Mittel können sie bestenfalls als Bremser wirken – die Preise werden in erster Linie durch Privatkäufe und -verkäufe gebildet. Einen preistreibenden Effekt üben in vielen, Fällen die Wohnungsbaugesellschaften aus: Sie zahlen Summen, die im allgemeinen erheblich über den Durchschnittspreisen liegen.

Die Fakten sind so neu nicht, die Zahlen dafür um so alarmierender. Im letzten, erfaßten Berechnungsjahr 1970/71 haben fünf der 18 Städte (Augsburg, Dortmund, Hannover, München und Stuttgart) Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Es gibt Ausnahmen – Gelsenkirchen mit null, Freiburg/Brsg. mit einem und Duisburg und Hagen mit je vier Prozent –, aber der Durchschnitt liegt doch noch bei 13 Prozent Preissteigerung in einem Jahr. Die Welle beschränkt sich längst nicht mehr auf die Innenstädte. Ein baureifes Grundstück in Stadtrandwohngebieten bei bevorzugter Wohnlage konnte man 1960 in München noch für 65 Mark pro Quadratmeter erstehen; 1971 mußte man 450 Mark hinlegen. Die als mäßig eingestuften Wohnlagen sind im Vergleich noch teurer geworden – Wohnen droht ein Luxus zu werden... H. B.