Unabhängigkeit ist immer relativ, nur Abhängigkeit kann, total sein.

Sir Hugh Carleton Greene

ehemals Generaldirektor der BBC, bei der Verleihung der diesjährigen Adolf-Grimme-Preise in Mari

Sir Noel Coward

Zu seinem 70. Geburtstag wurde dem Mann, der von Kind an nichts als ein Schauspieler gewesen war, aber das Handwerk der Bühne dadurch beherrschen gelernt hatte wie kaum ein zweiter, der Adelstitel verliehen, und ein Gratulant nahm vorweg, was Dr. Johnson einst über David Garrick, den Meister-Mimen des 18. Jahrhunderts, gesagt hatte und was jetzt, nachdem Sir Noel gestorben ist, noch besser paßt: „Sein Tod verdunkelt die Fröhlichkeit der Nationen und macht den harmlosen Vorrat an menschlichem Vergnügen ärmer.“ In Deutschland merkt man davon wenig. Stücke wie „Hay Fever“, „Private Lives“ und „Blithe Spirit“ – um nur drei von den ungezählten zu nennen, die Coward geschrieben oder in denen er gesungen und gespielt hat, meist scheinbar oberflächliche, ungeheuer witzige Gesellschaftskomödien – „gehen“ hierzulande nicht. Auch in England gehen sie nun eigentlich nicht mehr. Der Tod von Sir Noel beendet – wie vorher ganz ähnlich für Frankreich der Tod von Maurice Chevalier – eine Epoche. Würde sie eines Tages wieder entdeckt, dann spräche man wohl von „Nostalgie“.

Edward Strichen

Auch wer seinen Namen nie gehört hat, kennt ihn indirekt durch die bedeutendste, internationalste, erfolgreichste Photoausstellung, die es je gegeben hat und deren Katalog in immer neuen Auflagen immer noch gehandelt wird: „Family of Man“, erdacht, zusammengestellt und gemanagt von Edward Steichen. Letztes Wochenende ist er, fast 94 Jahre alt, in den Vereinigten Staaten gestorben. Seine Ausstellung war auch sein politisches Bekenntnis. „Obwohl ich drei Ausstellungen darauf verwandte, das Grauen des Krieges zu schildern“, so schrieb er, „bin ich mit meiner Mission gescheitert. Es ist mir nicht gelungen, die Menschen wachzurütteln und zu einer offenen und kollektiven Ächtung des Krieges zu bewegen.“ Er fand die Ursache: „Ich hatte eine negative Position bezogen. Was die Menschen brauchten, war etwas Positives.“ Engagiert war er sein Leben lang in allem, was er tat. Es gibt keinen Photographen, der so vielseitig war, der so neugierig experimentierte, der bei alledem so Großartiges hervorgebracht hat wie Steichen. Sein Weg begann klassisch: als Maler. Doch er überwand die illusionäre Verbindung zwischen Kunst und Photographie und erreichte einen Punkt, an dem es überflüssig ist zu fragen, ob Photographie Kunst sei. Er machte Kunst als Photograph.