Im Jahr 1972 wurden rund 3,6 Millionen Gebrauchtwagen verkauft – gegenüber 2,1 Millionen Neuwagen. Ein neuer Wagen kostet durchschnittlich 9400 Mark. Bei 2,1 Millionen Stück ergeben sich 20 Milliarden Mark Umsatz, die sich auf insgesamt 1900 Neuwagenhändler aller Schattierungen verteilen, vom VW-Dienst an der nächsten Ecke bis zum Rolls-Royce-Importeur. Doch die 3,6 Millionen „Gebrauchten“ – zum Durchschnittspreis von immerhin rund ’3800 Mark – stehen im Umsatzvolumen kaum nach: 13,5 Milliarden Mark. Sie verteilen sich etwa zu 35 Prozent auf die Neuwagenhändler, zu 15 Prozent auf die etlichen tausend Nur-Gebraucht-Händler, die es noch gibt, und 50 Prozent werden privat (und mehrwertsteuerfrei) an den Mann gebracht. Dazwischen tummelt sich eine ständig wechselnde Zahl von Agenturen und Zentralkarteien, die zum einen das Gefälle zwischen Land und Stadt, zum anderen aber die Tatsache ausnutzen, daß bei solchen Auftragsverkäufen („i. A.“) Mehrwertsteuer nur für die Vermittlungsprovision anfällt, nicht für die gesamte Summe.

Die Autokonzerne wissen sehr wohl die Bedeutung des Gebrauchtwagenmarktes zu schätzen – genauer, des unbehinderten „Abfließens“ der alten Autos. Daimler-Benz betreibt in Untertürkheim eine zentrale Gebrauchtwagenvermittlung (allerdings nur für Mercedes-Wagen). BMW hatte eine , ließ sie aber wieder einschlafen, weil der Vermittlung nur die „Krücken“ angetragen wurden, während die guten Gelegenheiten sich beim örtlichen Händler selbst verkauften. Immerhin unterstützen die Werke ihre Händler mit Plakat- und Anzeigenaktionen. Im übrigen gibt es keine gemeinsamen Werbeaktionen verschiedener Fabrikate, keine Versteigerungen großen Ausmaßes, wie man sie in den USA kennt, oder gemeinsames Verschieben ganzer Kontingente aus billigen Regionen (bei uns etwa aus dem Ruhrgebiet) in solche mit hohen Preisen (Süddeutschland). Was zustande kommt, sind private Aktionen – daß ein Autokino seine Plätze am Samstagvormittag zum Autobazar umfunktioniert, gegen Gebühr und mit mäßigem Erfolg. Der private Handel blüht an den Straßenrändern, vermittelt durch Tageszeitungen.

Wer sich mit gebrauchten Autos in den letzten Monaten, im ganzen abgelaufenen Jahr beschäftigte, der sah mit Staunen einen Trend, der so gar nicht in unsere Zeit zu passen scheint: Sie wurden laufend billiger (während die Preise der neuen Autos zum Teil rapide kletterten). Der Preisverfall machte auch nicht vor Marken halt, die sich bislang stabiler Preise rühmten: VW-Käfer und Mercedes-Diesel.

Schon lange sind die Zeiten vorbei, da man für einen neuwertigen Käfer gar Aufpreise erlösen konnte – wie 1958, als man den 30-PS-Ahnen für 4600 Mark kaufen und beim nächsten Aufkäufer für 5400 Mark loswerden konnte. Vorbei sind Aufpreiszeiten auch beim Diesel, die noch 1968 blühten. Daimler-Werker, gewohnt, an ihrem obligaten Diesel einen Tausender zu verdienen, schauen seit den letzten Preiserhöhungen in die Röhre: Die Gebrauchtpreise zogen nicht mit. Immerhin erlösen sie nach einem Jahr heute immer noch den Einstandspreis (mit 20 Prozent Rabatt). ‚,’Sischt nemme des“, wie ein langjähriger Angehöriger der schwäbischen Daimler- und Diesel-Zunft meinte, aber preiswert fahren sie immer noch.

Der Käfer und der Diesel erlebten jetzt nur, was für andere Autos schon immer galt: Nach drei Jahren sind sie nur noch die Hälfte wert. Im ersten Jahr ist dabei der Verlust am größten, oftmals fehlen schon 30 Prozent. Wer sich zum Beispiel vor einem Jahr einen Opel Diplomat kaufte, einen großen BMW, einen Ford 20 M, aber auch in den wohlfeileren Klassen einen VW 411 E oder einen Fiat 125, der sieht heute ein Drittel des Preises dahingeschmolzen, selbst bei einem Käfer sind es mehr als 20 Prozent. Nach mehreren Jahren allerdings sinkt der Wert nicht mehr so steil ab. Also wäre es am günstigsten, seinen Wagen sehr lange zu, fahren – freilich können einem dann die höheren Reparaturkosten einen Strich durch die Rechnung machen.

Warum aber werden die Gebrauchtwagen immer billiger? Vor allem –, so bekennt wenigstens die Deutsche Automobil-Treuhand (DAT), vorzugsweise mit dem Schätzen und dem Begutachten von Gebrauchtwagen beschäftigt –, das Sozialprestige dafür verantwortlich.

  • Auch für Bezieher kleinerer Einkommen es nicht mehr schick, sich mit einenm Wagen zu zeigen, der als „gebraucht“ erkennbar ist. Sozialprestige strahlt nur ein neues Auto aus, das dann oftmals unter dem Anspann der letzten Reser/en angeschafft wird.
  • Es gibt auch technische Gründe: Modemer Stop-and-Go-Verkehr und Tausalz im Winter strapazieren die Wagen stärker. Da die Autos, die Versicherung und das Benzin laufend teurer werden, kommt der Besitzer nur allzu leicht in Versuchung, an den Reparaturen zu sparen.
  • Die Flut der neuen Modelle im letzten Jahr – von allen, Werken – ließ manchen früher als geplant den Kaufvertrag für einen „Neuen“ unterschreiben. Dazu kam eine gewisse Furcht vor Preissteigerungen.