Theorien über den sozio-ökonomischen Wandel

Von Heinz Abosch

Mit zehnjähriger Verspätung erscheinen jetzt soziologische Betrachtungen, die in den Debatten der französischen Linken eine große Rolle gespielt haben. Das Buch von

Serge Mallet: „Die neue Arbeiterklasse“; übersetzt von Thomas Hartmann; Luchterhand Verlag, Neuwied 1972; SL 59; 382 S., 9,80 DM

ist von der konkreten ökonomisch-politischen Situation des gaullistischen Frankreich nicht zu trennen.

Die Fünfte Republik veränderte nicht allein die politischen Verhältnisse. Die Wirtschaft begann eine beschleunigte Entwicklung, was veraltete Strukturen ebenso beseitigte wie neue Produktions- und Verkaufsmethoden begünstigte. Mallet schrieb sein Buch als Theoretiker der Neuen Linken, der den Sieg de Gaulles auf die antiquierte Denkweise vornehmlich der Kommunistischen Partei zurückführte. Das Instrument der Erneuerung sah er in den modernen automatisierten Unternehmen der Elektronik, der Petrochemie, der Autoindustrie. Die revolutionierte Technik produzierte neue Arbeitsbedingungen und einen neuen Arbeitertyp: „Die Produktionseinheiten werden kleiner, und die menschlichen Beziehungen zwischen Arbeitsgruppen, sind lebhafter und weniger anonym als diejenigen, die man in der nach dem Taylor-System organisierten Fabrik beobachten konnnte.“

Rüge für die Gewerkschaften