Von Adolf Metzner

Gefeiert wurde das Jubiläum in Berlin. Man hatte sich etwas einfallen lassen. Nicht nur feierliche Reden wurden in der "schwangeren Auster" gehalten, sondern auch ein Film wurde vorgeführt, der die großen Namen der deutschen Leichtathletik noch einmal auferstehen ließ. Mit 1525 Mitgliedern in 63 Vereinen begann es, und heute lautet die Mitgliederzahl 650 000 in 8000 Klubs.

Die olympische Bilanz kann sich sehen lassen, 16 Goldmedaillen, 30mal Silber und 35mal Bronze. Aber bei manchen Spielen kämpften die Deutschen unglücklich. So 1912 als Hanns Braun über 800 m gegen die Übermacht der Amerikaner, die ein taktisches Rennen gegen ihn liefen, kapitulierte und die 4 × 100-m-Staffel wegen angeblichen Überschreitens der Wechselmarke mit Richard Rau als Schlußmann disqualifiziert wurde. 1920 und 1924 waren die Deutschen nach dem Ersten Weltkrieg noch verfemt und nicht dabei. Dann kam Amsterdam 1928. Otto Peltzer war verletzt und Helmut Körnig verpatzte den letzten Wechsel in der 4×100-m-Staffel, nachdem Hubert Houben noch mit fast einem Meter vor den USA geführt hatte.

Die Größten der deutschen Leichtathletik der zwanziger und dreißiger Jahre waren ohne olympische Medaille in einer Einzeldisziplin. So Dr. Otto Peltzer, Weltrekordinhaber über 800 m, eine halbe Meile, 1000 m und 1500 m, Hans-Heinrich Sievert, Weltrekordinhaber im Zehnkampf Und Rudolf Harbig, der Weltrekorde über 400 m, 800 m und 1000 m aufstellte. Er über sich wenigstens in der 4×100-m-Staffel eine Bronzemedaille in Berlin 1936 erlaufen können.

Damals und jetzt in München wurden 11 der insgesamt 16 Goldmedaillen errungen. Aber nicht die Läufer waren es, die 1936 triumphierten, sondern die "Techniker". In Berlin gewannen: Gerhard Stock den Speerwurf, Karl Hein den Hammerwurf und "Teddy" Woellke das Kugelstoßen. Bei den Frauen Gisela Mauermayer mit dem Diskus und Tilly Fleischer mit dem Speer.

Siege der Läufer gab es nur ein einziges Mal bei 13 Olympiaden: 1960 in Rom, Armin Hary und die Sprintstaffel. Nur zwei Läuferinnen gewannen Gold. Beide über 800 m. Lina Radke 1928 und Hildegard Falck in München. In Tokio und Mexico City holten sich Mehrkämpfer Willi Holdorf und Ingrid Becker Gold.

Zum Olympiasieg gehört eine enorme Portion Glück. Peltzer, Sievert und Harbig hatten es nicht. Schnell verweht der Ruhm des Sportes. Manche werden sich noch erinnern, wie populär ein Otto Peltzer einmal war. Selbst ein Schmeling und ein Seeler übertreffen ihn hierin heute nicht. Ohne großen Gegner konnte Otto Peltzer keine überragende Zeit laufen. Seine Weltrekorde erzielte er mit Ausnahme der 1000 m 1927 gegen Sera Martin im Stade de Colombes auf miserablen Bahnen. 1926 war sein großes Jahr – Sieg in der halben Meile in Weltrekordzeit in London in Stamford Bridge über Olympiasieger Douglas Lowe und dann der Lauf gegen Nurmi und Wide in Berlin über 1500 m, die er in Weltrekordzeit niederrang. Damals sangen die 30 000 Zuschauer begeistert das Deutschlandlied. Für die heutige Zeit ein unvorstellbarer Vorgang.