China kauft seine Luftflotte in England und Amerika

Von Kai D. Eichstädt

Jeden Mittwoch wird von dieser Woche an eine Düsenmaschine des sowjetischen Typs Il-62 (Iljuschin) auf dem Flugplatz der albanischen Hauptstadt Tirana landen. Das Flugzeug wird allerdings nicht die Insignien der sowjetischen Fluggesellschaft Aeroflot tragen. Auf der stilisierten roten Fahne am Heckleitwerk werden an Stelle von Hammer und Sichel fünf goldene Sterne prangen. Eigentümer des ansonsten mit chinesischen Schriftzeichen verzierten Jets ist die CAAC, Chinas Luftverkehrsgesellschaft Civil Aviation Administration of China.

Mit dem wöchentlichen Flug von Peking über Teheran und Bukarest nach Tirana wird die erste regelmäßige Fluglinie zwischen China und Europa eröffnet, die von der altmodischen Gesellschaft beflogen wird. Doch Tirana soll nicht Endstation bleiben. Noch in diesem Jahr will die CAAC Paris und wahrscheinlich auch London anfliegen.

Zahlreiche weitere Verbindungen nach Afrika und Asien sind vorgesehen. Allein im vergangenen Jahr schlossen zwanzig westliche Nationen Luftverkehrsverträge mit der Volksrepublik – darunter die USA, die Schweiz, Persien und die Türkei. In diesem Jahr verhandelten die Chinesen mit Griechenland und schlossen einen Vertrag mit Italien. Die nationalen Fluggesellschaften planen nun die Aufnahme des Linienflugverkehrs in das fernöstliche Reich.

Bis zum Anfang dieses Jahres hatten nur drei ausländische Fluggesellschaften das Recht, auf chinesischem Boden zu landen. Seit 1964 fliegt die pakistanische PIA von Dacca nach Kanton und Schanghai, und 1966 eröffnete Air France den Linienverkehr nach Schanghai. Die ältesten Rechte besitzt die sowjetische Aeroflot; sie unterhält seit 1950 eine regelmäßige Verbindung nach Peking.

Im vergangenen Jahr ließen die Chinesen erkennen, daß sie in Zukunft die wichtigsten Flugplätze der Volksrepublik auch anderen Gesellschaften öffnen wollen. Die großen Fluggesellschaften versuchten daraufhin, mit Peking ins Geschäft zu kommen. Freilich mußten sie bei ihren Verhandlungen einsehen, daß der Flug nach China für lange Zeit keine Gewinnchancen bringen wird. Denn Peking will vorläufig den profitablen Touristikurlauber noch ausklammern, denn es gibt in der Volksrepublik zuwenig Hotels, um ren offerieren zu können.