In Paraguay sind die Ache-Indianer von der Ausrottung bedroht

Von Ronald Granz

Während im Norden Amerikas die Indianer gegen Ausbeutung und soziale Diskriminierung mit der Besetzung von Wounded Knee protestierten, fügen sich einige tausend Kilometer weiter südlich die Aché-Indianer ergeben in ihr Schicksal: gejagt, getötet oder im Reservat gewaltsam zivilisiert zu werden.

Es sind schwere Anschuldigungen, die der-Frankfurter Völkerkundler – Dr. Mark Münzel gegen die Mörder der Ache-Indianer erhob. Zusammen mit seiner Frau hat er ein Jahr lang die Lebensverhältnisse der Aché in Paraguay studiert und nach seiner Rückkehr in einem Bericht den „Völkermord in Paraguay“ angeprangert. Seit Monaten nun schon beschäftigen Münzels Vorwürfe die Behörden, Kirche, Indianer-Schutzorganisationen und die Öffentlichkeit in dem südamerikanischen Land.

Um die Wogen zu glätten und darzutun, daß alles so schlimm denn doch gar nicht sei, trat jetzt Anfang April Professor Jacques de Mahieu, Leiter des Instituts für Menschheitskunde in Buenos Aires, auf die Bildfläche und bezichtigte kurzerhand Münzel der Lüge: In der in Buenos Aires erscheinenden Zeitschrift La Plata Ruf nennt er die Behauptung Münzels, die Ache-Indianer würden „verfolgt und getötet“, eine bösartige Erfindung, die Münzel wohl deshalb veröffentlicht habe, weil die paraguayischen Behörden ihm auf Grund seiner Verbindung zu einer marxistischen Gruppe in Asunción das Betreten des Ache-Reservats verboten und ihm nahegelegt hätten, das Land zu verlassen. Münzel dementierte entschieden.

Nicht überall freilich teilt man die Ansicht, daß die Umstände, unter denen „einer der primitivsten und interessantesten Stämme Südamerikas zugrunde geht“ (Leon Cadogan, paraguayischer Völkerkundler), das Produkt allzu reger Phantasie seien. Mitte Februar dieses Jahres beschrieb die regierungsfreundliche paraguayische Zeitung ABC-Color nicht ohne Wehmut die dunkle Zukunft der letzten „mutigen Aché“, die man nach und nach aus dem Urwald in die „Sicherheit“ einer Reservation bei Cerro Moroti deportiert, wo viele unter den völlig veränderten und zum Teil mangelhaften Lebensbedingungen an Krankheit und Verzweiflung sterben: „In diesem Augenblick und nur wenige Kilometer von unserer Hauptstadt entfernt erleben die Aché vielleicht die letzte Etappe ihrer Geschichte. Die Indianer dieser Gruppe werden eingegliedert in unsere Zivilisation, mit reichlich zweifelhaften Methoden.“

Münzel berichtet, daß in diesem Reservat (Colonia Nacional Guayaki) viele der gegenwärtig etwa 250 Indianer apathisch und krank dahinsiechen. Während Wissenschaftler den Ache-Stamm 1962 auf rund 3000 Eingeborene schätzten, durchstreifen heute nur noch etwa 600 der auf Steinzeitniveau lebenden Nomaden die Urwälder in der Nähe des Rio Alta Parana.