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Nach den Preisen wird kaum noch gefragt", meldeten österreichische Holzexporteure. Aus allen Ländern werden sie seit Ende vergangenen Jahres mit Aufträgen überschwemmt. Heute bekommen die Händler nicht einmal mehr genügend Holz, um alle Bestellungen auszuführen. Nur aus der Bundesrepublik, so die Österreicher, kommen die Aufträge schleppend. Die Zurückhaltung der deutschen Importeure kam überraschend, denn auch die Bundesrepublik erlebt seit dem letzten Jahr einen Holzboom. Aber seit Ende 1972 sind die Importeure in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt.

Mitte November zog ein Orkan (Windstärke 16) über Norddeutschland und entwurzelte unzählige Kiefern und Fichten. Seither dürfen die Importeure nicht mehr nach eigenem Ermessen einkaufen. Die Bundesregierung verordnete eine Beschränkung des Einschlagplanes. Danach durften in den deutschen Forsten weniger Bäume gefällt werden als in den Vorjahren. Sinn der Regelung: Die geschädigten Waldbesitzer sollten beim Verkauf ihrer vom Wind gefällten Bäume unterstützt werden. Die deutschen Importeure wurden ebenfalls aufgerufen bei der Beseitigung des Schadens zu helfen. Sie sollten deutsches Holz verkaufen, statt ausländisches zu importieren.

Doch bereits als diese Forderung an die Bundesregierung gestellt wurde, zweifelten die Importeure an der Zweckmäßigkeit einer solchen Regelung. Hartmut Schulze-Riewald, Geschäftsführer des in Hamburg residierenden Vereins Deutscher Holzeinfuhrhäuser, witzelte im Dezember, "das heißt ja, wir sollen die Einfuhr von Teakholz einschränken, um die deutsche Forstwirtschaft beim Verkauf von Brennholz zu unterstützen".

In der Tat hatte der Orkan bei der Forstwirtschaft alle Pläne über den Haufen geworfen: Für dieses Jahr hatten die Waldbesitzer vorgesehen, rund 26 Millionen Festmeter "einzuschlagen". Doch der Novembersturm schaffte innerhalb weniger Stunden zwei Drittel dieser Menge. Problematisch war dabei, daß der Wind Bäume brach, die überhaupt nicht auf der Einschlagliste standen. Die zerstörten Bäume waren in der Hauptsache von minderwertiger Qualität. Rudolf Brinckenstein, Präsident des Hamburger Holzimporteur Vereins, konterte deshalb das Bonner Ansinnen, den Import zu beschränken, mit einem zynischen Vorschlag: "Am besten wäre es, wenn man das ganze Zeug verbrennen würde."

Inzwischen hat sich herausgestellt, daß nur etwa zehn Prozent der im November umgestürzten Bäume von den Sägewerken aufgekauft wurden. Der Rest, so Hartmut Schulze-Riewald, sei "geringwertige Kiefer" – die praktisch nur industriell weiterverarbeitet werden kann, zum Beispiel bei der Spanplattenproduktion.

Die Preisentwicklung wurde durch die Waldkatastrophe jedenfalls nicht gestoppt. In der Bundesrepublik blieb der Trend auch nach den stürmischen November nach oben gerichtet, obwohl, von der Menge her gesehen, ein übergroßes Angebot auf dem Markt war. Ursache für diese Situation: Die Preise für Holz werden in der Bundesrepublik nicht allein durch das Angebet der nationalen Fortwirtschaft bestimmt, sondern sind in erster Linie vom Weltmarkt abhängig. Immerhin bezieht Deutschland rund die Hälfte des zu verarbeitenden Holzes aus dem Ausland. Und international zählte Holz im vergangenen. Jahr zu den Spitzenreitern der Preissteigerungsstatistik.

Ausgangspunkt für die Preissteigerung waren Amerika und Kanada. In den Vereinigten Staaten schafften die Holzlieferanten sogar während der Phase II des Nixonschen Stabilitätsplanes, in der die Preise praktisch eingefroren waren, extreme Steigerungsraten. Die Sägewerkbesitzer umgingen die Vorschriften einfach dadurch, daß sie das von ihnen gelieferte Holz in einer höheren Qualitäts- oder Verarbeitungsstufe klassifizierten. Seit Beginn der Phase III sind sie nicht mehr auf derartige Tricks angewiesen. Sie dürfen ihre Preise wieder erhöhen, und das tun sie hemmungslos. Innerhalb von zweieinhalb Monaten stieg der Preis für Bauholz um 23 Prozent. Spitzenreiter der Holzprodukte bei den Preissteigerungen war jedoch das Sperrholz: sein Preis stieg in der gleichen Zeit um 99 Prozent.

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Noch ist ein Ende des Booms nicht abzusehen, denn in Amerika steigt die Nachfrage nach Wohnungen, und da in den USA Häuser weitgehend aus Holzteilen gebaut werden, befürchten die Holzhändler auch weiterhin hohe Preise für den Werkstoff.

Aber nicht nur die Amerikaner sind für die extrem gestiegene Nachfrage nach Holz verantwortlich, auch die Japaner zählen zu den großen Käufern auf den Holzmärkten der Welt. Ebenso wie die Amerikaner verbrauchen die Japaner das Holz zum großen Teil für den Wohnungsbau. Im Gegensatz zu den USA besitzen die Japaner jedoch keine eigenen Wälder,um sich auch nur teilweise selbst versorgen zu können. Sie kaufen deshalb in den USA und Kanada.

Allerdings blieben die Preissteigerungen nicht auf die amerikanischen und kanadischen Lieferanten begrenzt: Auch die Lieferländer in Afrika und Asien, die den deutschen Markt mit dem für die Möbelindustrie wichtigen Tropenholz versorgen, fordern mehr Geld. Auch auf diesen Märkten wurden zu Beginn dieses Jahres Preisrekorde gemessen: Steigerungen zwischen 30 und 80 Prozent waren die Regel.

Die deutschen Importeure klagen aber nicht nur über die Preissteigerungen. Offensichtlich hat der Preisboom in den letzten Monaten auch die Handelssitten der Lieferländer verkommen lassen. Auf der Jahresversammlung der Holzimporteure in Hamburg hörte man von ziemlich rüden Methoden. So nutzten ausländische Exporteure die Situation ihrer deutschen Partner, indem sie von ihnen nachträgliche Preiserhöhungen förderten. Alte Kontrakte, die noch zu niedrigen Preisen abgeschlossen waren, sollten erst erfüllt werden, wenn sich die Importeure zu einer nachträglichen Preiskorrektur einverstanden erklärten.

Für die deutschen Händler ist deshalb die Hoffnung auf eine Beruhigung an der Preisfront freilich trügerisch. Denn sie müssen damit rechnen, daß die Verkaufserlöse, die sie heute erzielen, nicht ausreichen, um in Zukunft Holz in gleicher Qualität und gleicher Menge einzukaufen.

Um von den Lieferanten in den südlichen und östlichen Lieferländern unabhängiger zu werden, sind zahlreiche deutsche Importeure in die Verarbeitung eingestiegen. So hat vor wenigen Wochen der Bremer Holzimporteur Gottfried Lauprecht in Port Gentil im afrikanischen Staat Gabun sein dortiges Furnierwerk um eine neue Anlage erweitert. Auch andere Branchenkollegen sind bereits in Afrika tätig.

Offensichtlich hat der Holzboom die Bereitschaft zu Investitionen in den Holzgewinnungsländern gestärkt. So erwarb der britisch-niederländische Nahrungsmittel- und Seifenkonzern Unilever in Indonesien eine Beteiligung an einer der größten Holzfirmen des Landes. Freilich ist Unilever nicht fremd in der Branche. Mit der United African Cooperation ist Unilever bereits seit Jahren in Afrika auf dem Holzsektor tätig.

Doch dieses Investment beschert nicht unbedingt eine sorgenfreie Belieferung. Im vergangenen Jahr haben einige afrikanische Lieferländer zum Teil mit sehr bedeutsamen Reglementierungen in den Holzmarkt eingegriffen. So forderte zum Beispiel die Elfenbeinküste, daß dort eingekauftes Stammholz von einheimischen Sägewerken verarbeitet werden muß. Diese Regelung gilt selbst für die Ausländer, die das Holz aus eigenen Wäldern einschlagen. Ihre für teures Geld erstellten Fabriken können nur noch mit halber Kraft produzieren. Kai D. Eichstädt