Noch ist ein Ende des Booms nicht abzusehen, denn in Amerika steigt die Nachfrage nach Wohnungen, und da in den USA Häuser weitgehend aus Holzteilen gebaut werden, befürchten die Holzhändler auch weiterhin hohe Preise für den Werkstoff.

Aber nicht nur die Amerikaner sind für die extrem gestiegene Nachfrage nach Holz verantwortlich, auch die Japaner zählen zu den großen Käufern auf den Holzmärkten der Welt. Ebenso wie die Amerikaner verbrauchen die Japaner das Holz zum großen Teil für den Wohnungsbau. Im Gegensatz zu den USA besitzen die Japaner jedoch keine eigenen Wälder,um sich auch nur teilweise selbst versorgen zu können. Sie kaufen deshalb in den USA und Kanada.

Allerdings blieben die Preissteigerungen nicht auf die amerikanischen und kanadischen Lieferanten begrenzt: Auch die Lieferländer in Afrika und Asien, die den deutschen Markt mit dem für die Möbelindustrie wichtigen Tropenholz versorgen, fordern mehr Geld. Auch auf diesen Märkten wurden zu Beginn dieses Jahres Preisrekorde gemessen: Steigerungen zwischen 30 und 80 Prozent waren die Regel.

Die deutschen Importeure klagen aber nicht nur über die Preissteigerungen. Offensichtlich hat der Preisboom in den letzten Monaten auch die Handelssitten der Lieferländer verkommen lassen. Auf der Jahresversammlung der Holzimporteure in Hamburg hörte man von ziemlich rüden Methoden. So nutzten ausländische Exporteure die Situation ihrer deutschen Partner, indem sie von ihnen nachträgliche Preiserhöhungen förderten. Alte Kontrakte, die noch zu niedrigen Preisen abgeschlossen waren, sollten erst erfüllt werden, wenn sich die Importeure zu einer nachträglichen Preiskorrektur einverstanden erklärten.

Für die deutschen Händler ist deshalb die Hoffnung auf eine Beruhigung an der Preisfront freilich trügerisch. Denn sie müssen damit rechnen, daß die Verkaufserlöse, die sie heute erzielen, nicht ausreichen, um in Zukunft Holz in gleicher Qualität und gleicher Menge einzukaufen.

Um von den Lieferanten in den südlichen und östlichen Lieferländern unabhängiger zu werden, sind zahlreiche deutsche Importeure in die Verarbeitung eingestiegen. So hat vor wenigen Wochen der Bremer Holzimporteur Gottfried Lauprecht in Port Gentil im afrikanischen Staat Gabun sein dortiges Furnierwerk um eine neue Anlage erweitert. Auch andere Branchenkollegen sind bereits in Afrika tätig.

Offensichtlich hat der Holzboom die Bereitschaft zu Investitionen in den Holzgewinnungsländern gestärkt. So erwarb der britisch-niederländische Nahrungsmittel- und Seifenkonzern Unilever in Indonesien eine Beteiligung an einer der größten Holzfirmen des Landes. Freilich ist Unilever nicht fremd in der Branche. Mit der United African Cooperation ist Unilever bereits seit Jahren in Afrika auf dem Holzsektor tätig.

Doch dieses Investment beschert nicht unbedingt eine sorgenfreie Belieferung. Im vergangenen Jahr haben einige afrikanische Lieferländer zum Teil mit sehr bedeutsamen Reglementierungen in den Holzmarkt eingegriffen. So forderte zum Beispiel die Elfenbeinküste, daß dort eingekauftes Stammholz von einheimischen Sägewerken verarbeitet werden muß. Diese Regelung gilt selbst für die Ausländer, die das Holz aus eigenen Wäldern einschlagen. Ihre für teures Geld erstellten Fabriken können nur noch mit halber Kraft produzieren. Kai D. Eichstädt